Bohren von Metall: Wann ist eine Absaugung notwendig?

Daniel Ehrhardt ·
Metallbohrer durchdringt Stahlplatte, feine Späne und Reibungswärme sichtbar, industrielle Werkstattumgebung.

Wer in der Metallbearbeitung Löcher bohrt, denkt selten zuerst an die Luftqualität. Doch beim Bohren von Metall entstehen Schadstoffe, die unsichtbar, aber gesundheitlich relevant sind. Ob Metallstaub, Kühlschmierstoffaerosole oder feine Partikel aus legierten Werkstoffen: Eine fehlende Absaugung kann sowohl die Gesundheit der Mitarbeitenden gefährden als auch rechtliche Konsequenzen nach sich ziehen.

Dieser Artikel beantwortet die wichtigsten Fragen rund um die Absaugung beim Bohren von Metall: Welche Schadstoffe entstehen, wann eine Anlage gesetzlich vorgeschrieben ist und welche Lösung für welche Bohranwendung geeignet ist.

Welche Schadstoffe entstehen beim Bohren von Metall?

Beim Bohren von Metall entstehen drei Hauptschadstoffgruppen: metallischer Feinstaub und Späne, Kühlschmierstoffaerosole sowie bei bestimmten Legierungen krebserzeugende Verbindungen wie Nickel- oder Chromstaub. Die genaue Zusammensetzung hängt vom Werkstoff, dem Bohrverfahren und dem eingesetzten Kühlmittel ab.

Besonders kritisch sind Bohrungen in legierten Stählen, Edelstahl oder Aluminium. Bei Edelstahl entstehen chromhaltige Stäube, die nach TRGS 900 als krebserzeugend eingestuft werden. Bei Aluminium bilden sich feine Metallpartikel, die unter bestimmten Bedingungen explosionsfähig sind. Auch Trockenbohrungen ohne Kühlschmierstoff erzeugen erhebliche Staubmengen, die in die Atemluft gelangen.

Kühlschmierstoffdämpfe und Ölnebel

Wird mit Kühlschmierstoff gearbeitet, entstehen zusätzlich Aerosole und Ölnebel. Diese feinen Tröpfchen sind kleiner als 10 Mikrometer und dringen tief in die Atemwege ein. Mineralölbasierte Kühlschmierstoffe enthalten Additive, die beim Verdampfen gesundheitsschädliche Substanzen freisetzen können. Für Kühlschmierstoffaerosole gelten eigene Grenzwerte nach TRGS 611 und TRGS 900.

Wann ist eine Absaugung beim Metallbohren gesetzlich vorgeschrieben?

Eine Absaugung beim Metallbohren ist gesetzlich vorgeschrieben, wenn die Luftkonzentration von Schadstoffen den Arbeitsplatzgrenzwert (AGW) nach TRGS 900 überschreitet oder überschreiten kann. Bei krebserzeugenden Stoffen wie Chrom(VI)-Verbindungen gilt das Minimierungsgebot: Die Exposition ist so weit wie technisch möglich zu reduzieren, unabhängig vom Grenzwert.

Die rechtliche Grundlage bilden die Gefahrstoffverordnung (GefStoffV) sowie die DGUV-Vorschriften. Der Betreiber ist verpflichtet, eine Gefährdungsbeurteilung durchzuführen und technische Schutzmaßnahmen nach dem STOP-Prinzip umzusetzen. Technische Maßnahmen wie Absaugung haben dabei Vorrang vor persönlicher Schutzausrüstung.

Besondere Pflichten bei Edelstahl und legierten Metallen

Für Arbeiten an chromhaltigen Stählen gelten verschärfte Anforderungen. Die DGUV Information 213-020 beschreibt konkrete Maßnahmen für die Metallbearbeitung. Bei Nickel- oder Chromstaub ist eine direkte Erfassung an der Entstehungsstelle in der Regel technisch notwendig, um die Grenzwerte einzuhalten. Eine allgemeine Hallenlüftung reicht hier nicht aus.

Welche gesundheitlichen Risiken entstehen ohne Absaugung?

Ohne Absaugung beim Metallbohren entstehen ernste Gesundheitsrisiken: Eine langfristige Exposition gegenüber Metallstaub verursacht Erkrankungen der Atemwege, Lungenfibrosen und bei krebserzeugenden Stoffen ein erhöhtes Krebsrisiko. Kurzfristig können Reizungen der Schleimhäute, Husten und Kopfschmerzen auftreten. Die Auswirkungen zeigen sich oft erst nach Jahren.

Besonders gefährlich ist Feinstaub unterhalb von 10 Mikrometern (PM10), der nicht mehr durch die natürlichen Filterorgane der Nase zurückgehalten wird. Alveolengängiger Feinstaub (PM2,5 und kleiner) gelangt bis in die Lungenbläschen. Bei regelmäßiger Exposition ohne ausreichende Schutzmaßnahmen steigt das Risiko für Berufserkrankungen erheblich.

Haftungsrisiken für Betreiber

Neben den gesundheitlichen Folgen tragen Betreiber auch persönliche Haftungsrisiken. Wer keine ausreichende Gefährdungsbeurteilung durchgeführt oder technische Schutzmaßnahmen unterlassen hat, haftet bei Berufserkrankungen von Mitarbeitenden. Berufsgenossenschaftliche Prüfungen können Bußgelder und Auflagen nach sich ziehen. Die Dokumentation der Schutzmaßnahmen ist daher nicht nur empfehlenswert, sondern rechtlich erforderlich.

Wie funktioniert eine Absauganlage beim Metallbohren?

Eine Absauganlage beim Metallbohren erfasst Schadstoffe direkt an der Entstehungsstelle, transportiert sie über ein Rohrsystem zum Filteraggregat und scheidet sie dort ab. Das gereinigte Luftvolumen wird entweder zurück in die Halle oder ins Freie geleitet. Das Prinzip lautet: Erfassung, Transport, Filtration, Rückführung oder Abluft.

Entscheidend ist die Erfassung an der Quelle. Absaugdüsen oder Absaughauben werden möglichst nah an der Bohrspindel positioniert, um Schadstoffe zu erfassen, bevor sie sich in der Raumluft verteilen. Der Volumenstrom muss dabei ausreichend dimensioniert sein, um auch bei wechselnden Bohrparametern eine zuverlässige Erfassung zu gewährleisten.

Filtertypen für Metallstaub und Ölnebel

Je nach Schadstoff kommen unterschiedliche Filtertechnologien zum Einsatz. Für trockenen Metallstaub eignen sich Kartuschenfilter mit geeigneten Filtermedien, die Partikel bis in den Feinstbereich abscheiden. Für Ölnebel und Kühlschmierstoffaerosole werden Ölnebelabscheider eingesetzt, die in mehreren Stufen arbeiten: Vorabscheidung, Koaleszenzfiltration und Feinfilter. Bei gemischten Emissionen sind mehrstufige Kombinationsfilter notwendig. Mehr zu den verfügbaren Absauganlagen und Filtersystemen finden Sie in unserem Produktportfolio.

Welche Absauglösung eignet sich für welche Bohranwendung?

Die geeignete Absauglösung beim Metallbohren hängt von der Anzahl der Bohrplätze, dem Werkstoff, dem Einsatz von Kühlschmierstoff und dem Schadstoffprofil ab. Einzelne Bohrmaschinen werden dezentral mit einer Maschinenabsaugung ausgestattet, während mehrere Bohrplätze in einer Halle von einer zentralen Absauganlage effizienter versorgt werden.

  • Einzelmaschine, Trockenbohren: Dezentrale Absaugeinheit mit Kartuschenfilter direkt an der Maschine
  • Einzelmaschine mit Kühlschmierstoff: Ölnebelabscheider mit Koaleszenzfiltration
  • Mehrere Bohrplätze: Zentrale Absauganlage mit gemeinsamem Rohrleitungssystem und zentralem Filteraggregat
  • Edelstahl oder legierte Metalle: Anlage mit zertifiziertem Feinstfilter (z. B. HEPA-Klasse) zur sicheren Abscheidung krebserzeugender Partikel
  • Explosionsgefährdete Bereiche (z. B. Aluminium): ATEX-konforme Anlage nach Richtlinie 2014/34/EU

Ein wichtiger Planungsparameter ist der Gleichzeitigkeitsfaktor: Nicht alle Bohrplätze sind gleichzeitig in Betrieb. Durch eine realistische Einschätzung der gleichzeitig aktiven Absaugstellen lässt sich die Anlage deutlich kleiner dimensionieren, ohne Schutzwirkung zu verlieren. Weitere Informationen zu Absauglösungen nach Anwendung helfen bei der Einordnung Ihres spezifischen Bohrvorgangs.

Welche Förderungen gibt es für Absauganlagen in der Metallbearbeitung?

Absauganlagen in der Metallbearbeitung sind über das BAFA-Programm zur Bundesförderung für Energie- und Ressourceneffizienz in der Industrie sowie über KfW-Kredite für Umwelt- und Klimaschutzinvestitionen förderfähig. Voraussetzung ist in der Regel, dass die Anlage nachweislich zur Energieeinsparung oder Emissionsreduktion beiträgt.

Für Betriebe, die eine neue Absauganlage planen, lohnt sich eine frühzeitige Prüfung der Fördermöglichkeiten. BAFA-Förderungen setzen eine technische Dokumentation und Nachweise zur Energieeffizienz voraus. Wer eine energieeffiziente Anlage mit Wärmerückgewinnung plant, hat besonders gute Voraussetzungen für eine Förderung, da die Kombination aus Luftreinhaltung und Energierückgewinnung mehrere Förderziele gleichzeitig erfüllt.

Wichtig: Die Förderbedingungen ändern sich regelmäßig. Eine Beratung vor der Antragstellung ist empfehlenswert, um keine Fristen zu versäumen und die Dokumentationsanforderungen von Anfang an zu erfüllen. Alle Anlagen müssen den geltenden Normen entsprechen, um förderfähig zu sein.

Wie ULMATEC bei der Absaugung von Metallbohrungen hilft

Wir bei ULMATEC entwickeln, fertigen und montieren industrielle Absauganlagen speziell für die Anforderungen der Metallbearbeitung. Für Betreiber, die beim Bohren von Metall eine zuverlässige, normkonforme Absauglösung benötigen, bieten wir Folgendes:

  • Auslegung der Anlage auf den konkreten Volumenstrom und das Schadstoffprofil Ihres Bohrprozesses
  • Modulare Systeme für Einzelmaschinen bis hin zu zentralen Anlagen mit bis zu 250.000 m³/h
  • Filterkombinationen aus über 100 verfügbaren Varianten, abgestimmt auf Metallstaub, Ölnebel oder gemischte Emissionen
  • ATEX-konforme Ausführungen für Aluminium und andere explosionsgefährdete Werkstoffe
  • Vollständige technische Dokumentation für Fördermittelanträge (BAFA, KfW) und Berufsgenossenschaftsprüfungen
  • Lieferung inklusive Montage und Inbetriebnahme aus einer Hand

Angebote erstellen wir auf Basis einer strukturierten Bedarfserfassung innerhalb von 24 Stunden. Sprechen Sie uns direkt an: Jetzt Kontakt aufnehmen und Ihre Bohranwendung konkret besprechen.

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