Lötrauch in der Elektronikfertigung: Unterschiede zu Schweißrauch

Daniel Ehrhardt ·
Techniker lötet Leiterplatte an sauberem Arbeitsplatz, sichtbare Lötdämpfe steigen auf, Lötkolben in Nahaufnahme.

Für Betreiber in der Elektronikfertigung, die mit Lötprozessen arbeiten, ist Lötrauch ein tägliches Thema. Doch während Schweißrauch in vielen Betrieben bereits als bekanntes Risiko behandelt wird, wird Lötrauch häufig unterschätzt. Dabei entstehen beim Löten luftgetragene Schadstoffe, die ohne geeignete Lötrauchabsaugung zu ernsthaften Gesundheitsschäden führen können.

Dieser Artikel beantwortet die wichtigsten Fragen zu Lötrauch in der Elektronikfertigung: Was genau entsteht beim Löten, wie unterscheiden sich die Schadstoffe von Schweißrauch, welche Normen gelten, und welche Absaugtechnik ist in der Praxis geeignet?

Was ist Lötrauch und wie entsteht er in der Elektronikfertigung?

Lötrauch ist ein Gemisch aus feinen Partikeln, Gasen und Dämpfen, das beim Erhitzen von Lot, Flussmitteln und Leiterplatten entsteht. Er setzt sich hauptsächlich aus thermischen Zersetzungsprodukten der verwendeten Flussmittel zusammen und enthält neben Partikeln auch flüchtige organische Verbindungen (VOC). Die genaue Zusammensetzung hängt vom eingesetzten Lötverfahren und den verwendeten Materialien ab.

In der Elektronikfertigung entstehen Lötrauch und Lötrauchdämpfe vor allem bei folgenden Prozessen:

  • Handlöten an Arbeitsplätzen mit Lötkolben
  • Wellenlöten und Selektivlöten in automatisierten Linien
  • Reflowlöten in Öfen mit Lotpaste
  • Reparatur- und Nacharbeitsprozesse

Besonders kritisch ist der Nahbereich am Lötkolben oder an der Lötstelle. Dort entstehen Temperaturen zwischen 250 und 400 Grad Celsius, bei denen Flussmittelbestandteile thermisch zerfallen. Die dabei freigesetzten Partikel sind oft kleiner als 1 Mikrometer und dringen tief in die Atemwege ein.

Welche gesundheitlichen Risiken gehen von Lötrauch aus?

Lötrauch enthält Schadstoffe, die bei regelmäßiger Exposition Atemwegserkrankungen, Berufsasthma und Schleimhautreizungen verursachen können. Insbesondere Kolophonium, ein häufiger Flussmittelbestandteil, gilt als sensibilisierender Stoff. Wer einmal dagegen sensibilisiert ist, reagiert auch bei geringen Konzentrationen mit allergischen Reaktionen.

Kurzfristige Beschwerden

Bereits bei kurzer Exposition berichten Betroffene über Reizungen der Augen, Nase und Kehle. Husten, Kopfschmerzen und Schwindel sind typische Symptome, die direkt am Arbeitsplatz auftreten. Diese Beschwerden werden häufig als harmlos eingestuft, sind aber erste Warnsignale einer zu hohen Schadstoffbelastung.

Langzeitfolgen ohne ausreichenden Arbeitsschutz

Langfristig kann eine ungeschützte Exposition gegenüber Lötrauch zur Entstehung von Berufsasthma führen. Einmal entwickelt, bleibt diese Erkrankung dauerhaft bestehen. Hinzu kommen mögliche Schädigungen der Schleimhäute und der oberen Atemwege. Für Betriebe bedeutet das nicht nur eine gesundheitliche Verantwortung, sondern auch ein konkretes Haftungsrisiko gegenüber Mitarbeitenden und der Berufsgenossenschaft.

Was sind die wichtigsten Unterschiede zwischen Lötrauch und Schweißrauch?

Der entscheidende Unterschied zwischen Lötrauch und Schweißrauch liegt in der chemischen Zusammensetzung und der Partikelgröße. Schweißrauch enthält hauptsächlich Metalloxide aus dem Grundwerkstoff und dem Zusatzmaterial. Lötrauch hingegen besteht überwiegend aus organischen Zersetzungsprodukten der Flussmittel und enthält kaum Metallpartikel in vergleichbarer Menge.

Die wichtigsten Unterschiede im Überblick:

  • Schadstoffart: Schweißrauch enthält Metalloxide (z. B. Mangan, Chrom VI); Lötrauch enthält organische Verbindungen, Kolophonium-Abbauprodukte und VOC
  • Partikelgröße: Lötrauchpartikel sind oft kleiner als 0,5 Mikrometer und damit schwerer zu filtern als typische Schweißrauchpartikel
  • Temperatur: Schweißprozesse erreichen Temperaturen über 1.000 Grad Celsius; Lötprozesse liegen bei 250 bis 400 Grad Celsius
  • Emissionsmenge: Schweißrauch entsteht in deutlich größeren Mengen; Lötrauch ist volumenmäßig geringer, aber hochkonzentriert im Nahbereich
  • Filtertechnik: Für Lötrauch sind Aktivkohlefilter zur VOC-Bindung notwendig, die bei Schweißrauch in der Regel nicht erforderlich sind

Diese Unterschiede haben direkte Auswirkungen auf die Wahl der richtigen Filtersysteme und Absauganlagen. Ein System, das für Schweißrauch ausgelegt ist, filtert Lötrauch häufig nicht vollständig. Typische Herausforderung: Betreiber setzen Schweißrauchabsauger auch an Lötarbeitsplätzen ein und unterschätzen dabei die unzureichende Filterwirkung bei organischen Dämpfen.

Welche Normen und Vorschriften gelten für Lötrauchabsaugung?

Für die Absaugung von Lötrauch in der Elektronikfertigung gelten in Deutschland mehrere verbindliche Regelwerke. Nach TRGS 900 sind Luftgrenzwerte für Arbeitsstoffe am Arbeitsplatz einzuhalten. Die DGUV Regel 109-002 regelt den Umgang mit Gefahrstoffen bei Löt- und Schweißarbeiten. Zusätzlich definiert die DGUV Information 213-725 konkrete Anforderungen an Absauganlagen für Lötrauch.

Folgende Normen und Vorschriften sind für Betreiber relevant:

  • TRGS 900: Arbeitsplatzgrenzwerte für luftgetragene Schadstoffe
  • DGUV Regel 109-002: Technische Schutzmaßnahmen bei Löt- und Schweißarbeiten
  • DGUV Information 213-725: Absauganlagen für Lötrauch, Anforderungen an Erfassung und Filtration
  • EN 60335-2-69: Sicherheitsanforderungen an Entstauber und Absauggeräte

Nach DGUV gilt das Prinzip der Rangfolge der Schutzmaßnahmen: Technische Maßnahmen wie eine wirksame Erfassung und Absaugung haben Vorrang vor persönlicher Schutzausrüstung. Das bedeutet, dass Atemschutzmasken allein keine ausreichende Lösung darstellen, wenn eine technische Absaugung möglich ist. Betreiber, die dies bei einer BG-Prüfung nicht nachweisen können, riskieren Auflagen und persönliche Haftung.

Wie funktioniert eine effektive Lötrauchabsaugung in der Praxis?

Eine effektive Lötrauchabsaugung erfasst den Rauch direkt an der Entstehungsstelle, bevor er sich im Raum verteilt. Das Grundprinzip lautet: Erfassung so nah wie möglich an der Lötstelle, Filtration in mehreren Stufen, Rückführung oder Abführung der gereinigten Luft. Nur eine quellnahe Erfassung verhindert, dass Schadstoffe in die Atemzone der Mitarbeitenden gelangen.

Erfassung: Absaugarm oder Absaugdüse

Am Handlötarbeitsplatz kommen flexible Absaugarme oder spezielle Lötkolbenabsaugungen zum Einsatz. Der Absaugpunkt sollte nicht weiter als 10 bis 15 Zentimeter von der Lötstelle entfernt sein. Bei automatisierten Prozessen wie dem Wellenlöten sind fest installierte Erfassungseinheiten direkt an der Anlage notwendig.

Filtration: Mehrstufig für organische Verbindungen

Für Lötrauch ist eine mehrstufige Filtration erforderlich. Ein reiner Partikelfilter, wie er bei Schweißrauch ausreicht, bindet keine organischen Dämpfe und VOC. Die Filterkombination für Lötrauch besteht typischerweise aus:

  • Vorfilter zur Abscheidung grober Partikel
  • HEPA-Filter für Feinpartikel unter 1 Mikrometer
  • Aktivkohlefilter zur Adsorption von VOC und Geruchsstoffen

Die Auswahl der richtigen Filterkombination hängt vom eingesetzten Flussmittel und der Prozesstemperatur ab. Für eine fundierte Entscheidung lohnt sich ein Blick auf die verfügbaren Anwendungsbereiche und Prozesslösungen, um die passende Konfiguration für den jeweiligen Lötprozess zu bestimmen.

Wann ist eine zentrale Absauganlage der richtige Ansatz?

Eine zentrale Absauganlage ist dann der richtige Ansatz, wenn mehrere Lötarbeitsplätze gleichzeitig betrieben werden und eine einheitliche, normkonforme Lösung für den gesamten Bereich gefragt ist. Ab etwa drei bis fünf gleichzeitig genutzten Absaugstellen rechnet sich eine zentrale Anlage gegenüber mehreren Einzelgeräten meist wirtschaftlich und technisch.

Für die Entscheidung zwischen dezentralen Einzelgeräten und einer zentralen Anlage sind folgende Faktoren ausschlaggebend:

  • Anzahl der Absaugstellen: Wie viele Lötplätze sind gleichzeitig aktiv?
  • Gleichzeitigkeitsfaktor: Nicht alle Plätze laufen immer gleichzeitig. Dieser Faktor kann die benötigte Anlagengröße erheblich reduzieren.
  • Raumgröße und Leitungsführung: Zentrale Anlagen erfordern ein Rohrleitungsnetz, das bei der Planung berücksichtigt werden muss.
  • Wartungsaufwand: Eine zentrale Anlage mit einem Filtersystem ist oft einfacher zu warten als viele Einzelgeräte.
  • Erweiterbarkeit: Wächst die Produktion, lässt sich eine zentrale Anlage in der Regel leichter skalieren.

Typische Herausforderung: Betreiber planen die Anlage, ohne den Gleichzeitigkeitsfaktor zu berücksichtigen, und dimensionieren das System unnötig groß. Das treibt Investitions- und Betriebskosten nach oben. Eine sorgfältige Prozessanalyse vor der Planung ist daher kein optionaler Schritt, sondern Voraussetzung für eine wirtschaftliche Anlage. Wer Fragen zur Planung hat, findet auf der Serviceseite weitere Informationen zu Planungs- und Beratungsleistungen.

Wie ULMATEC bei der Lötrauchabsaugung in der Elektronikfertigung unterstützt

Für Betreiber in der Elektronikfertigung, die Lötrauch normkonform und prozesssicher erfassen und filtern müssen, entwickeln und fertigen wir industrielle Absauganlagen, die exakt auf den jeweiligen Lötprozess ausgelegt sind. Kein Standardgerät von der Stange, sondern eine Anlage, die zu den tatsächlichen Prozessparametern passt.

Was wir konkret leisten:

  • Prozessanalyse und Bedarfsermittlung: Welches Lötverfahren, welche Flussmittel, wie viele gleichzeitige Absaugstellen?
  • Auswahl der richtigen Filterkombination aus über 100 verfügbaren Varianten, inklusive Aktivkohlestufe zur VOC-Bindung
  • Auslegung zentraler oder dezentraler Systeme für Luftvolumenströme von 500 bis 100.000 m³/h
  • Normkonforme Dokumentation nach DGUV und TRGS für BG-Prüfungen und Behördenbesuche
  • Montage, Inbetriebnahme und Wartungsplanung aus einer Hand
  • Angebotserstellung innerhalb von 24 Stunden nach Anfrage

Alle Anlagen sind CE-konform, ATEX-fähig und erfüllen die geltenden Normen für den Arbeitsschutz in der Elektronikfertigung. Fördermittel über BAFA und KfW sind bei geeigneten Projekten nutzbar. Nehmen Sie jetzt Kontakt mit uns auf und erhalten Sie innerhalb von 24 Stunden eine konkrete Einschätzung für Ihre Anlage.

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