Wie beeinflusst die Werkzeugbeschichtung die Aerosolbildung beim Hochleistungsfräsen?

Daniel Ehrhardt ·
Hochgeschwindigkeitsfräser bearbeitet gehärtetes Metall und erzeugt eine dichte metallische Aerosol-Wolke über einer CNC-Maschine.

Die Werkzeugbeschichtung beeinflusst die Aerosolbildung beim Hochleistungsfräsen erheblich: Beschichtungstyp, Härte und Reibungskoeffizient bestimmen, wie viel Wärme an der Schneide entsteht und wie stark Kühlschmierstoff verdampft oder zerstäubt wird. Besonders bei Trockenbearbeitung und Minimalmengenschmierung (MMS) entscheidet die Beschichtung direkt über Menge und Zusammensetzung der freigesetzten Fräsaerosole. Der folgende Artikel beantwortet die wichtigsten Fragen zu Beschichtungstypen, Gesundheitsrisiken und wirksamen Absaugmaßnahmen.

Welche Beschichtungstypen erzeugen beim Fräsen die meisten Aerosole?

Unbeschichtete Hartmetallwerkzeuge und ältere TiN-Beschichtungen (Titannitrid) erzeugen beim Hochleistungsfräsen tendenziell mehr Aerosole als moderne Hochleistungsbeschichtungen. Der Grund: Höhere Reibung an der Schneidkante führt zu mehr Wärme, stärkerer Kühlschmierstoffverdampfung und intensiverer Zerstäubung. Beschichtungen mit niedrigem Reibungskoeffizienten reduzieren diesen Effekt messbar.

Im Vergleich der gängigen Beschichtungstypen zeigt sich folgendes Bild:

  • TiN (Titannitrid): Hohe Reibung, hohe Schnitttemperaturen, starke Aerosolentwicklung bei Nassbearbeitung
  • TiAlN (Titanaluminiumnitrid): Bessere Warmhärte, geringerer Wärmeeintrag in den Kühlschmierstoff, moderate Aerosolbildung
  • DLC (Diamond-Like Carbon): Sehr niedriger Reibungskoeffizient, geringe Wärmeentwicklung, reduzierte Aerosolfreisetzung
  • AlCrN (Aluminiumchromnitrid): Hohe Oxidationsbeständigkeit, geeignet für Trockenbearbeitung, weniger Aerosole durch Wärmeableitung in den Span

Typische Herausforderung: Betreiber wechseln auf leistungsfähigere Beschichtungen, ohne die Absaugtechnik anzupassen. Dabei können auch bei modernen Beschichtungen erhebliche Aerosolmengen entstehen, sobald Schnittgeschwindigkeiten und Vorschübe erhöht werden.

Wie beeinflusst die Beschichtungshärte die Zerspanung und Aerosolfreisetzung?

Härtere Beschichtungen ermöglichen höhere Schnittgeschwindigkeiten und reduzieren den Werkzeugverschleiß. Gleichzeitig verlagern sie die Wärmeentwicklung stärker in den abfließenden Span. Das senkt die thermische Belastung des Kühlschmierstoffs und damit die Aerosolbildung. Verschlissene oder weichere Beschichtungen erhöhen dagegen die Reibungswärme direkt an der Schneide.

Die Beschichtungshärte wirkt sich auf zwei Ebenen aus: erstens auf die Standzeit des Werkzeugs, zweitens auf den Wärmepfad beim Zerspanen. Harte Beschichtungen wie AlTiN mit Härtewerten über 3.000 HV leiten die Prozesswärme bevorzugt in den Span ab. Das schützt den Kühlschmierstoff vor direktem Kontakt mit der heißesten Zone der Schneide. Die Folge ist eine geringere Verdampfungsrate und damit eine niedrigere Konzentration von Kühlschmierstoffdämpfen in der Hallenluft.

Verschleiß hebt diesen Vorteil auf: Ein abgenutztes Werkzeug mit beschädigter Beschichtung erzeugt dieselbe Aerosolmenge wie ein unbeschichtetes. Regelmäßige Werkzeugkontrolle ist deshalb nicht nur eine Frage der Teilequalität, sondern auch des Arbeitsschutzes.

Warum entstehen bei Trockenbearbeitung und MMS unterschiedliche Aerosolmengen?

Bei der Trockenbearbeitung entstehen keine flüssigen Aerosole, da kein Kühlschmierstoff eingesetzt wird. Stattdessen werden feine Metallpartikel und Oxidpartikel freigesetzt. Bei der Minimalmengenschmierung (MMS) hingegen wird eine geringe Menge Öl direkt an die Schneidzone gebracht, was zu feinen Ölnebelaerosolen mit Partikelgrößen unter 5 Mikrometer führt. Diese lungengängigen Partikel sind schwerer zu erfassen als grober Sprühnebel.

Die Aerosolzusammensetzung unterscheidet sich grundlegend:

  • Trockenbearbeitung: Metallpartikel, Oxidpartikel, keine Öldämpfe; Partikelgröße abhängig vom Werkstoff
  • MMS: Ölnebel mit sehr feiner Tröpfchenverteilung (oft unter 1 µm), hohe Eindringtiefe in die Atemwege
  • Nassbearbeitung: Grober Kühlschmierstoffnebel und Dampfanteile; höhere Gesamtmenge, aber größere Partikel

Für Betreiber, die auf MMS umsteigen, um Kühlschmierstoffkosten zu senken, gilt: Die Absaugtechnik muss auf feine Ölnebelpartikel ausgelegt sein. Standardentstauber ohne Ölnebelabscheider sind für MMS-Prozesse nicht ausreichend.

Welche Gesundheitsrisiken gehen von Fräsaerosolen aus?

Fräsaerosole enthalten lungengängige Partikel, Schwermetallverbindungen und Kühlschmierstoffkomponenten, die beim Einatmen akute und chronische Erkrankungen verursachen können. Nach TRGS 611 und den Vorgaben der DGUV Information 213-726 gelten Kühlschmierstoffe als gesundheitsgefährdend, wenn sie Nitrosamine, Biozide oder Mineralölanteile enthalten.

Die konkreten Risiken hängen vom bearbeiteten Werkstoff und dem eingesetzten Kühlschmierstoff ab:

  • Alveolengängige Stäube (A-Fraktion): Partikel unter 10 µm dringen bis in die Lungenbläschen vor; allgemeiner Grenzwert nach TRGS 900: 1,25 mg/m³
  • Mineralölhaltiger Kühlschmierstoffnebel: Lungenfibrose, Bronchitis, bei Langzeitkontakt erhöhtes Krebsrisiko
  • Chrom(VI)-Verbindungen: Entstehen beim Fräsen bestimmter Edelstähle und Legierungen; krebserzeugend, Minimierungsgebot nach TRGS 528 und TRGS 561 gilt ausdrücklich
  • Nickelverbindungen: Sensibilisierend und krebserzeugend, relevant bei Superlegierungen (z.B. Inconel)

Betriebe, die bei einer BG-Prüfung keine ausreichende Absaugtechnik nachweisen können, riskieren Bußgelder, Auflagen und im Schadensfall die persönliche Haftung verantwortlicher Führungskräfte. Die Gefährdungsbeurteilung nach § 5 ArbSchG ist die Pflichtgrundlage für jede Geräte- und Filterauswahl.

Wie lassen sich Fräsaerosole an der Entstehungsquelle wirksam absaugen?

Fräsaerosole werden am effektivsten direkt an der Entstehungsquelle erfasst, bevor sie sich in der Hallenluft verteilen. Dazu eignen sich Erfassungselemente wie Kapselabsaugungen, Absaughauben oder maschinenintegrierte Absaugstutzen. Der Erfassungsgrad entscheidet über die Wirksamkeit: Eine Quellenabsaugung mit über 90 % Erfassungsgrad ist einer allgemeinen Hallenlüftung deutlich überlegen.

Für die Auslegung der Absauganlagen für Fräsprozesse gelten folgende Grundsätze:

  • Erfassungselement: So nah wie möglich an der Schneidzone; bei geschlossenen CNC-Bearbeitungszentren bevorzugt maschinenintegriert
  • Volumenstrom: Abhängig von Maschinengröße, Schnittparametern und Aerosolmenge; muss messtechnisch ermittelt werden
  • Strömungsgeschwindigkeit: Mindesterfassungsgeschwindigkeit von 0,5 bis 1,0 m/s an der Quelle als Richtwert nach DGUV Grundsätzen
  • Ölnebelabscheider: Pflicht bei MMS-Prozessen; Abscheidung von Partikeln unter 1 µm erforderlich
  • Nassabscheider: Bei reaktiven Werkstoffen wie Aluminium, Magnesium oder Titan, wo Trockenfilter Brandgefahr erzeugen

Eine allgemeine Hallenlüftung allein erfüllt die Anforderungen der DGUV und der TRGS nicht. Sie kann eine Quellenabsaugung ergänzen, aber nicht ersetzen.

Welche Filterklassen sind für Kühlschmierstoffaerosole beim Fräsen vorgeschrieben?

Für Kühlschmierstoffaerosole beim Fräsen ist die Filterklasse abhängig vom Gefährdungspotenzial des Aerosols. Bei krebserzeugenden Stoffen wie Chrom(VI)-Verbindungen oder Nickelverbindungen, die beim Fräsen freigesetzt werden, sind die Anforderungen nach GefStoffV, TRGS 528 und TRGS 561 sowie den DGUV-Vorgaben maßgeblich; für solche Prozesse kommen W3-zertifizierte Absauganlagen nach DIN EN ISO 21904 zum Einsatz, sofern es sich um schweißtechnisch erzeugte Aerosole handelt. Bei zerspanungsbedingten Metallstäuben und Aerosolen richten sich die Geräteanforderungen nach GefStoffV, TRGS 504 und TRGS 528 sowie den einschlägigen DGUV-Regeln.

Die Filteranforderungen im Überblick:

  • Allgemeiner Kühlschmierstoffnebel (mineralölhaltig): Mindestens Filterklasse E10 nach EN 1822 (HEPA); bei höheren Konzentrationen E11 oder E12
  • Krebserzeugende Aerosole (Cr(VI), Ni) aus Zerspanungsprozessen: Höchste Abscheideleistung erforderlich; Anforderungen nach GefStoffV, TRGS 528, TRGS 561 und DGUV; Abscheidegrad über 99,9 % für die relevante Partikelfraktion
  • MMS-Ölnebel: Ölnebelabscheider mit Koaleszenzstufe und Nachfilter; Abscheidung feiner Tröpfchen unter 1 µm
  • Reaktive Metallstäube (Al, Mg, Ti): Nassabscheider als Technologieoption; Trockenfilter sind hier aus Brandschutzgründen ungeeignet

Die konkrete Filterauswahl muss aus der Gefährdungsbeurteilung abgeleitet werden. Eine Filterklasse, die für einen Prozess ausreicht, kann für einen anderen unzureichend sein. Die passenden Filtersysteme müssen auf den jeweiligen Werkstoff, den Kühlschmierstoff und die Schnittparameter abgestimmt sein.

So unterstützt ULMATEC bei der Absaugung von Fräsaerosolen

Für Betreiber von Fräsbearbeitungszentren, die Kühlschmierstoffaerosole, Ölnebel oder Metallpartikel sicher erfassen und filtern müssen, analysiert ULMATEC den jeweiligen Werkstoff, Prozess und Volumenstrom und entwickelt, fertigt und montiert die passende Absauganlage dazu. Auslegung, Fertigung, Montage und Inbetriebnahme erfolgen aus einer Hand, hergestellt in Deutschland.

Konkret bedeutet das:

  • Auslegung des Volumenstroms auf Basis der tatsächlichen Schnittparameter und Maschinengröße
  • Auswahl aus über 100 Filterkombinationen, einschließlich W3-zertifizierter Systeme nach DIN EN ISO 21904 für Schweißrauch sowie geeigneter Filtersysteme nach GefStoffV und TRGS für Zerspanungsprozesse
  • Ölnebelabscheider für MMS-Prozesse mit Abscheidung von Partikeln unter 1 µm
  • Nassabscheider für reaktive Werkstoffe wie Aluminium, Magnesium und Titan
  • Zentrale Absauganlagen für Luftvolumen von 3.000 bis 250.000 m³/h, skalierbar von Einzelmaschine bis Produktionshalle
  • Vollständige technische Dokumentation für BG-Prüfungen und Fördermittelanträge (BAFA, KfW)

Sprechen Sie uns an: Über unser Kontaktformular erhalten Sie eine technische Ersteinschätzung für Ihre Fräsanwendung, inklusive Empfehlung zur Filterklasse und Volumenstromauslegung. Einen umfassenden Überblick über das gesamte Spektrum an ULMATEC-Absauganlagen finden Sie auf unserer Website.

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