Wie unterscheiden sich zentrale und dezentrale Absaugsysteme?

Daniel Ehrhardt ·
Industrielle Deckenabsauganlage mit Stahlrohren in einer Fabrikhalle, kompakte Filtereinheit auf dem Betonboden, Staubpartikel im Lichtstrahl.

Wer eine industrielle Absauganlage plant, steht früh vor einer grundlegenden Entscheidung: zentral oder dezentral? Die Wahl des richtigen Systems beeinflusst nicht nur die Investitionskosten, sondern auch den Energieverbrauch, den Wartungsaufwand und die Einhaltung von Arbeitsschutzvorschriften wie DGUV und TRGS. Dieser Artikel beantwortet die wichtigsten Fragen rund um zentrale und dezentrale Absaugsysteme, damit Betreiber, Produktionsleiter und Planer eine fundierte Entscheidung treffen können.

Typische Auslöser für diese Entscheidung sind ein neuer Produktionsprozess, eine Maschinenerweiterung oder ein Behördenbesuch der Berufsgenossenschaft. In all diesen Fällen zählt nicht nur die Technik, sondern vor allem die Sicherheit: Ist die Anlage bei der nächsten BG-Prüfung bestandsfähig? Schützt sie die Mitarbeitenden zuverlässig vor luftgetragenen Schadstoffen wie Schweißrauch, Staub oder Aerosolen?

Was sind zentrale und dezentrale Absaugsysteme?

Zentrale Absaugsysteme erfassen Schadstoffe an mehreren Absaugstellen über ein gemeinsames Rohrleitungsnetz und leiten sie zu einer zentralen Filtereinheit. Dezentrale Absaugsysteme bestehen dagegen aus einzelnen, eigenständigen Geräten, die jeweils direkt an einer Maschine oder an einem Arbeitsplatz installiert werden.

Beide Systemtypen verfolgen dasselbe Ziel: die Erfassung und Filtration von Staub, Rauch, Aerosolen oder anderen luftgetragenen Schadstoffen, die bei industriellen Prozessen wie Schleifen, Schweißen, Löten oder Plasmaschneiden entstehen. Der entscheidende Unterschied liegt in der Architektur. Bei zentralen Anlagen befindet sich die gesamte Filtertechnik an einem Ort. Bei dezentralen Lösungen ist die Filtertechnik auf mehrere Einzelgeräte verteilt, die unabhängig voneinander arbeiten.

Für Betreiber in der Metallfertigung, Holzverarbeitung oder Chemie ist die Wahl zwischen diesen beiden Ansätzen eine der wichtigsten Planungsentscheidungen überhaupt. Sie bestimmt, wie flexibel die Produktion auf Veränderungen reagieren kann und wie hoch der langfristige Betriebsaufwand ausfällt.

Wie funktioniert eine zentrale Absauganlage technisch?

Eine zentrale Absauganlage erzeugt über ein Gebläse oder einen Ventilator einen Unterdruck, der Luft von mehreren Absaugstellen durch ein verzweigtes Rohrleitungsnetz zur zentralen Filtereinheit zieht. Dort werden Partikel, Rauch oder Aerosole abgeschieden, bevor die gereinigte Luft entweder in die Halle zurückgeführt oder nach außen abgeleitet wird.

Aufbau und Komponenten

Das System besteht aus drei Kernbereichen: den Erfassungselementen an den Maschinen oder Arbeitsplätzen, dem Rohrleitungsnetz als Transportweg und der zentralen Filtereinheit mit Gebläse. Die Filtereinheit kann je nach Schadstoff mit verschiedenen Filtermedien ausgestattet werden, zum Beispiel mit Kartuschenfiltern für Feinstaub oder Nassabscheidern für bestimmte Aerosole.

Luftvolumen und Gleichzeitigkeitsfaktor

Ein zentrales technisches Merkmal ist der sogenannte Gleichzeitigkeitsfaktor. Er beschreibt, wie viele Absaugstellen zur gleichen Zeit in Betrieb sind. Dieser Wert ist entscheidend für die Dimensionierung der Anlage. Wenn beispielsweise von zehn Absaugstellen nie mehr als vier gleichzeitig aktiv sind, muss die zentrale Anlage nur für vier Stellen ausgelegt werden. Das kann die erforderliche Anlagengröße um bis zu 80 Prozent reduzieren und damit die Investitionskosten erheblich senken.

Zentrale Absauganlagen werden für Luftvolumina von 3.000 bis 250.000 m³/h ausgelegt. Sie eignen sich damit für mittelgroße Betriebe ebenso wie für großflächige Produktionshallen mit vielen Prozessen.

Was ist der Unterschied zwischen zentraler und dezentraler Absaugung?

Der Hauptunterschied liegt in der Systemarchitektur: Zentrale Absaugung bündelt alle Filterprozesse an einem Punkt über ein Rohrnetz, dezentrale Absaugung verteilt die Filtertechnik auf eigenständige Einzelgeräte direkt am Entstehungsort der Schadstoffe. Beide Ansätze unterscheiden sich in Investitionskosten, Flexibilität, Energieverbrauch und Wartungsaufwand.

Die folgende Gegenüberstellung zeigt die wichtigsten Unterschiede:

  • Investition: Zentrale Anlagen erfordern höhere Anfangsinvestitionen durch das Rohrleitungsnetz, bieten aber niedrigere Betriebskosten pro Absaugstelle. Dezentrale Geräte sind günstiger in der Anschaffung, aber bei vielen Absaugstellen im Betrieb teurer.
  • Flexibilität: Dezentrale Geräte lassen sich schnell versetzen oder nachrüsten. Zentrale Systeme sind schwieriger umzubauen, wenn sich das Hallenlayout ändert.
  • Wartung: Bei zentralen Anlagen erfolgt die Filterwartung an einem Ort. Bei dezentralen Systemen muss jedes Gerät separat gewartet werden.
  • Energieeffizienz: Zentrale Anlagen mit drehzahlgeregelten Antrieben und Gleichzeitigkeitsfaktor sind in der Regel energieeffizienter bei hoher Auslastung.
  • Lärm: Dezentrale Geräte befinden sich direkt in der Halle und können die Lärmbelastung am Arbeitsplatz erhöhen. Zentrale Anlagen lagern die Geräuschquelle aus.

Für einen Überblick über verfügbare Absauganlagen und Filtersysteme lohnt sich ein Blick auf die verschiedenen Produktkategorien, bevor eine Systementscheidung getroffen wird.

Wann ist ein zentrales Absaugsystem die bessere Wahl?

Ein zentrales Absaugsystem ist die bessere Wahl, wenn viele Absaugstellen in einer Halle vorhanden sind, ein niedriger Gleichzeitigkeitsfaktor gilt, Energie- und Betriebskosten langfristig minimiert werden sollen oder eine zentrale Überwachung und Wartung gewünscht ist.

Typische Situationen, in denen zentrale Absaugung klar überlegen ist:

  • Produktionshallen mit mehr als fünf bis sechs Absaugstellen
  • Prozesse mit unterschiedlichen Betriebszeiten je Maschine, was einen günstigen Gleichzeitigkeitsfaktor ergibt
  • Betriebe, die Luftreinhaltung, Hallenklimatisierung und Wärmerückgewinnung kombinieren möchten
  • Anwendungen mit ATEX-Anforderungen, bei denen eine zentrale Lösung mit geprüfter Sicherheitstechnik einfacher zu zertifizieren ist
  • Unternehmen, die förderfähige Investitionen über BAFA oder KfW realisieren wollen

Besonders in der Metallfertigung, wo Schleif-, Schweiß- und Schneidprozesse gleichzeitig in einer Halle stattfinden, bietet die zentrale Absaugung klare Vorteile. Das Rohrleitungsnetz erschließt alle Prozesse, während die Filterwartung an einem zentralen Ort gebündelt wird. Für Betreiber, die bei der nächsten BG-Prüfung auf der sicheren Seite sein wollen, ist die dokumentierbare Systemlösung einer zentralen Anlage oft der entscheidende Vorteil.

Mehr zu den möglichen Anwendungen in verschiedenen Branchen und Prozessen zeigt, in welchen Szenarien zentrale Systeme besonders effektiv eingesetzt werden.

Wann eignet sich eine dezentrale Absauganlage besser?

Eine dezentrale Absauganlage eignet sich besser, wenn nur wenige Absaugstellen vorhanden sind, die Arbeitsplätze räumlich weit verteilt sind oder häufig wechselnden Standorten zugeordnet werden, oder wenn eine schnelle und kostengünstige Lösung ohne Rohrleitungsnetz benötigt wird.

Konkrete Einsatzszenarien für dezentrale Absaugung:

  • Einzelarbeitsplätze oder kleine Werkstätten mit ein bis drei Absaugstellen
  • Betriebe mit wechselnden Produktionsstandorten oder mobilen Schweißarbeiten
  • Nachrüstungen an bestehenden Maschinen, bei denen ein Rohrleitungsnetz baulich nicht umsetzbar ist
  • Situationen, in denen ein schneller Projektstart ohne aufwendige Planung erforderlich ist
  • Prozesse mit sehr unterschiedlichen Schadstoffarten an verschiedenen Stellen, die jeweils spezifische Filterlösungen erfordern

Typische Herausforderungen bei dezentralen Systemen: Bei wachsender Anzahl von Absaugstellen steigt der Wartungsaufwand überproportional, da jedes Gerät einzeln überwacht, gereinigt und gewartet werden muss. Ab einer bestimmten Anlagengröße ist der Umstieg auf ein zentrales System wirtschaftlich sinnvoll.

Dezentrale Geräte sind auch dann sinnvoll, wenn ein Betrieb zunächst mit einer kleinen Lösung starten und das System später ausbauen möchte. Modulare Ansätze ermöglichen hier einen schrittweisen Einstieg ohne sofortige Großinvestition.

Welche Normen und Fördermöglichkeiten gelten für Absaugsysteme?

Für industrielle Absaugsysteme gelten in Deutschland mehrere verbindliche Regelwerke: DGUV-Vorschriften zum Arbeitsschutz, TRGS 900 und TRGS 559 für Grenzwerte luftgetragener Gefahrstoffe sowie ATEX-Richtlinien für explosionsgefährdete Bereiche. Fördermittel sind über BAFA und KfW für energieeffiziente Absauganlagen verfügbar.

Relevante Normen und Vorschriften

Die Berufsgenossenschaft prüft, ob Absauganlagen die Grenzwerte der TRGS 900 einhalten. Für Metallstaub gilt zusätzlich die TRGS 559 mit spezifischen Anforderungen. In Bereichen mit explosionsfähigen Stäuben oder Dämpfen schreibt die ATEX-Richtlinie besondere Schutzmaßnahmen vor, die bei der Systemauswahl von Anfang an berücksichtigt werden müssen. Die CE-Konformität ist für alle in Europa in Betrieb genommenen Anlagen Pflicht.

Fördermöglichkeiten nutzen

Sowohl zentrale als auch dezentrale Absauganlagen können unter bestimmten Voraussetzungen über BAFA-Programme oder KfW-Kredite gefördert werden, insbesondere wenn sie zur Energieeinsparung oder zur Verbesserung der Luftqualität beitragen. Voraussetzung ist in der Regel eine vollständige technische Dokumentation der Anlage sowie der Nachweis der Normkonformität. Betreiber sollten die Förderfähigkeit bereits in der Planungsphase prüfen, da bestimmte Investitionen vor der Antragstellung noch nicht begonnen haben dürfen.

Für Fragen zur Normkonformität und Förderfähigkeit lohnt sich frühzeitig eine technische Beratung. Die verfügbaren Serviceleistungen umfassen auch die Unterstützung bei Dokumentation und Nachweisführung.

Wie ULMATEC bei der Wahl des richtigen Absaugsystems hilft

Die Entscheidung zwischen zentraler und dezentraler Absaugung hängt von mehreren Faktoren ab, die wir gemeinsam mit Ihnen klären: Luftvolumen, Gleichzeitigkeitsfaktor, Prozessbeschreibung, Budget und Zeitschiene. Genau diese fünf Informationen fehlen bei nahezu jeder Anfrage, und genau hier liegt unser größter Beratungswert.

Was wir konkret bieten:

  • Modulare Absauganlagen für Luftvolumina von 3.000 bis 250.000 m³/h in den Größen S bis XXL
  • Über 10 Millionen mögliche Systemkonfigurationen aus Standardkomponenten für individuelle Lösungen
  • Auswahl aus über 100 Filterkombinationen, abgestimmt auf den jeweiligen Schadstoff und Prozess
  • Zertifizierungen nach CE, ATEX und „Made in Germany“, mit vollständiger technischer Dokumentation
  • Unterstützung bei BAFA- und KfW-Förderanträgen
  • Komplette Lösung aus einer Hand: Engineering, Fertigung und Montage durch erfahrene Spezialisten
  • Angebotserstellung innerhalb von 24 Stunden auf Basis qualifizierter Projektinformationen

Für Betreiber, die wissen möchten, welches System für ihre spezifische Anwendung geeignet ist, empfehlen wir ein direktes Beratungsgespräch. Nehmen Sie jetzt Kontakt auf und schildern Sie uns Ihren Prozess. Wir dimensionieren das passende System und zeigen Ihnen, wie Sie Arbeitsschutz, Energieeffizienz und Normkonformität in einer Lösung vereinen können.

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