Ein Absaugarm beim Schweißen ist ein flexibel positionierbares Rohrsystem, das Schweißrauch direkt an der Entstehungsstelle erfasst und abführt. Er wird nah an der Schweißstelle platziert, saugt die entstehenden Schadstoffe ab, bevor sie in die Atemluft des Schweißers gelangen, und leitet sie zu einem nachgeschalteten Filtersystem weiter. Die folgenden Abschnitte beantworten die wichtigsten Fragen rund um Funktion, Einsatzbereich und Vorschriften.
Wie funktioniert ein Absaugarm beim Schweißen?
Ein Absaugarm erfasst Schweißrauch durch Unterdruck direkt an der Entstehungsstelle. Ein Ventilator erzeugt einen Luftstrom, der den Rauch durch das Rohrsystem in einen Schweißrauchabscheider zieht. Dort trennt ein Filtersystem die Schadstoffe von der Luft, bevor diese entweder zurück in die Halle (Umluft) oder nach außen (Abluft) geleitet wird.
Der Arm selbst besteht aus gelenkig verbundenen Rohrsegmenten, die sich manuell in jede gewünschte Position bringen lassen. Die Erfassungshaube am Ende des Arms wird so nah wie möglich an die Schweißstelle herangeführt, idealerweise in einem Abstand von 20 bis 30 cm. Je näher die Haube an der Rauchquelle positioniert ist, desto höher ist der Erfassungsgrad und desto weniger Luftvolumen wird benötigt.
Der Absaugarm arbeitet nach dem Prinzip der Punktabsaugung: Statt die gesamte Hallenluft zu reinigen, wird der Schadstoff lokal und sofort erfasst. Das ist energieeffizienter als eine reine Hallenlüftung und schützt den Schweißer wirksamer, weil der Rauch gar nicht erst in den Atembereich gelangt. Die Kombination aus Absaugarm und einem geeigneten Schweißrauchabscheider bildet die Grundlage einer wirksamen Punktabsaugung.
Welche Arten von Absaugarmen gibt es?
Absaugarme werden nach Montageform, Reichweite und Ausführung unterschieden. Die gängigsten Varianten sind wandmontierte Arme, deckenmontierte Arme und bodenständige Arme auf Rollen. Wandmontierte Ausführungen eignen sich für feste Schweißarbeitsplätze, rollbare Varianten für wechselnde Einsatzorte.
Wandmontierte und deckenmontierte Absaugarme
Wandmontierte Absaugarme werden direkt an der Werkstattwand oder an einem Ständer befestigt. Sie sind platzsparend und für ortsfeste Schweißarbeitsplätze geeignet. Deckenmontierte Systeme bieten einen größeren Schwenkbereich und sind besonders dann sinnvoll, wenn der Arbeitsbereich groß ist oder mehrere Schweißplätze in der Nähe liegen.
Mobile und rollbare Absaugarme
Mobile Absaugarme sind auf einem fahrbaren Sockel montiert und lassen sich flexibel im Betrieb verschieben. Sie werden häufig mit einem integrierten Abscheider kombiniert und bilden so eine kompakte, mobile Absauganlage. Diese Lösung eignet sich besonders für Betriebe mit wechselnden Schweißorten oder für Montagearbeiten außerhalb der festen Werkstatt.
Darüber hinaus unterscheiden sich Absaugarme in der Reichweite (typisch 2 bis 4 Meter Ausladung), im Rohrdurchmesser und im zulässigen Volumenstrom. Leichtere Arme aus Aluminium lassen sich einfacher bewegen, schwerere Stahlausführungen sind robuster für den Dauereinsatz in der Produktion.
Für welche Schweißverfahren ist ein Absaugarm geeignet?
Ein Absaugarm ist für die meisten manuellen Schweißverfahren geeignet, bei denen der Schweißer den Brenner selbst führt. Das gilt für MIG/MAG-Schweißen, WIG-Schweißen, Elektrohandschweißen und Löten. Bei diesen Verfahren entsteht der Rauch in einem definierten, gut zugänglichen Bereich, den der Arm zuverlässig erfassen kann.
Beim MIG/MAG-Schweißen entstehen vergleichsweise große Rauchmengen, weshalb ein ausreichender Volumenstrom am Arm wichtig ist. Beim WIG-Schweißen ist die Rauchmenge geringer, aber die entstehenden Partikel sind feiner und können tiefer in die Lunge eindringen. Auch beim Löten und beim thermischen Schneiden mit Plasma oder Laser ist der Absaugarm ein geeignetes Erfassungselement, sofern der Prozess manuell geführt wird.
Weniger geeignet ist der Absaugarm bei vollautomatisierten Schweißprozessen, bei Roboterschweißanlagen oder bei sehr großen Bauteilen, bei denen der Schweißer ständig seinen Standort wechselt. In diesen Fällen kommen brennerintegrierte Absaugung oder zentrale Absauganlagen mit mehreren Erfassungsstellen zum Einsatz.
Wie weit reicht ein Absaugarm und wo wird er positioniert?
Die Reichweite eines Absaugarms beträgt je nach Bauform typischerweise 2 bis 4 Meter. Entscheidend für die Wirksamkeit ist nicht die maximale Ausladung, sondern der Abstand der Erfassungshaube zur Schweißstelle: Dieser sollte 20 bis 30 cm nicht überschreiten, damit ein ausreichend hoher Erfassungsgrad erreicht wird.
Die Positionierung erfolgt immer zwischen Schweißstelle und Atemzone des Schweißers, niemals dahinter. Der Rauch steigt thermisch auf und breitet sich aus; wird die Haube zu weit entfernt oder falsch positioniert, zieht der Luftstrom den Rauch durch die Atemzone des Schweißers, bevor er erfasst wird. Das ist der häufigste Anwendungsfehler bei Absaugarmen.
Als Faustregel gilt: Je größer der Abstand zur Rauchquelle, desto höher muss der Volumenstrom sein, um denselben Erfassungsgrad zu erreichen. Das erhöht den Energieverbrauch und kann die Filterlaufzeiten verkürzen. Eine korrekte Positionierung ist daher nicht nur eine Frage des Arbeitsschutzes, sondern auch der Betriebskosten.
Wann reicht ein Absaugarm allein nicht aus?
Ein Absaugarm allein reicht nicht aus, wenn mehrere Schweißarbeitsplätze gleichzeitig betrieben werden, wenn der Schweißer stark mobil ist, wenn hochlegierte Stähle oder beschichtete Materialien verarbeitet werden oder wenn die entstehenden Schadstoffmengen die Erfassungskapazität des Arms übersteigen. In diesen Fällen muss das Gesamtkonzept erweitert werden.
Bei Schweißarbeiten an hochlegierten Chrom-Nickel-Stählen (Edelstahl) entsteht Cr(VI)-haltiger Schweißrauch, der als krebserzeugend eingestuft ist. Hier fordert die TRGS 528 den Einsatz von Abscheidern der Abscheideklasse W3 nach DIN EN ISO 21904. Ein einfacher Absaugarm ohne geeigneten W3-Abscheider erfüllt diese Anforderung nicht. Zusätzlich gilt für Cr(VI) das Minimierungsgebot: Die Exposition muss so weit wie technisch möglich reduziert werden, nicht nur auf den Grenzwert begrenzt.
Bei einer großen Schweißhalle mit vielen Arbeitsplätzen ist eine Kombination aus Punktabsaugung an jedem Platz und ergänzender Hallenlüftung sinnvoll. Die Hallenlüftung übernimmt die Hintergrundreinigung der Raumluft, während die Absaugarme die Primärerfassung an der Quelle sicherstellen. Betriebe, die bei einer BG-Prüfung keine ausreichende Absaugtechnik nachweisen können, riskieren Bußgelder, Auflagen und im Schadensfall die persönliche Haftung verantwortlicher Führungskräfte.
Auch bei reaktiven Werkstoffen wie Aluminium, Magnesium oder Titan kann ein trockener Absaugarm mit Trockenfilter ungeeignet sein. Bei diesen Medien empfiehlt sich der Einsatz von Nassabscheidern, da reaktive Metallstäube in Verbindung mit Trockenfiltern ein Brand- und Explosionsrisiko darstellen können.
Welche Normen und Vorschriften gelten für die Schweißraucherfassung?
Die zentrale Vorschrift für Schweißrauchabsaugung in Deutschland ist die TRGS 528 (Technische Regel für Gefahrstoffe 528: Schweißtechnische Arbeiten). Sie legt fest, unter welchen Bedingungen eine Absaugung an der Entstehungsstelle erforderlich ist und welche Anforderungen an die Abscheider gestellt werden. Ergänzend gilt die DGUV Information 209-016 zu Schadstoffen beim Schweißen.
Die Abscheideklassen für Schweißrauchabscheider sind in der DIN EN ISO 21904-2 geregelt:
- W1 (mindestens 95 % Abscheidegrad): für un- und niedriglegierte Stähle wie Baustahl
- W2 (mindestens 98 % Abscheidegrad): für legierte Stähle mit einem Cr/Ni-Anteil von 5 bis 30 %
- W3 (mindestens 99 % Abscheidegrad, IFA-geprüft): für hochlegierte Chrom-Nickel-Stähle mit einem Cr/Ni-Anteil über 30 %; Pflicht bei krebserzeugenden Schweißrauchemissionen wie Cr(VI)-haltigem Schweißrauch
Wichtig: Die W-Klassen nach DIN EN ISO 21904-2 gelten ausschließlich für Schweißrauch. Sie sind nicht auf allgemeinen Metallstaub, Zerspanungsstaub oder andere Prozesse anwendbar. Für trockene Staubabsaugung bei der Metallbearbeitung gelten stattdessen die Geräteklassen L, M und H nach DIN EN IEC 60335-2-69, abgeleitet vom jeweiligen Arbeitsplatzgrenzwert (AGW) nach TRGS 900.
Die Gefährdungsbeurteilung ist die gesetzliche Grundlage für die Auswahl des richtigen Absaugsystems. Sie legt fest, welche Schadstoffe entstehen, in welcher Konzentration und welche technischen Schutzmaßnahmen erforderlich sind. Ohne eine dokumentierte Gefährdungsbeurteilung ist die Auswahl eines Absaugarms und des nachgeschalteten Abscheiders nicht regelkonform. Weitere Informationen zu den Anwendungsbereichen der Absaugtechnik helfen bei der Einordnung der eigenen Prozesse.
So unterstützt ULMATEC bei der Schweißrauchabsaugung
Betriebe, die Schweißarbeitsplätze regelkonform ausrüsten müssen, stehen vor einer komplexen Aufgabe: Die richtige Abscheideklasse, der passende Volumenstrom, die korrekte Positionierung der Erfassungselemente und die Einhaltung der TRGS 528 müssen zusammenpassen. Wir analysieren bei ULMATEC den jeweiligen Werkstoff, den Schweißprozess und den erforderlichen Volumenstrom und entwickeln, fertigen sowie montieren die passende Absauganlage dazu.
Unser Leistungsumfang für Schweißrauchabsaugung umfasst:
- Auslegung der Absauganlage auf Basis der Gefährdungsbeurteilung und der eingesetzten Schweißverfahren
- Auswahl der richtigen Abscheideklasse (W1, W2 oder W3 nach DIN EN ISO 21904-2) je nach Werkstoff
- Modulare Absauganlagen für einzelne Schweißarbeitsplätze bis hin zu zentralen Anlagen für große Schweißhallen
- Mobile Absauganlagen für flexible oder wechselnde Einsatzorte
- Kombination aus Punktabsaugung und Hallenlüftung für komplexe Produktionsumgebungen
- Technische Dokumentation für die Gefährdungsbeurteilung und BG-Prüfungen
- Auslegung, Fertigung, Montage und Inbetriebnahme aus einer Hand, hergestellt in Deutschland
Unsere Anlagen sind meist förderfähig über BAFA oder KfW; die tatsächliche Förderung hängt von den jeweils geltenden Voraussetzungen und einer individuellen Prüfung ab. Nehmen Sie Kontakt mit uns auf, um Ihren Schweißarbeitsplatz gemeinsam mit unseren Spezialisten regelkonform und effizient auszurüsten.
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