Welche Absaugtechnik eignet sich für das Tieflochbohren mit Kühlschmierstoff?

Daniel Ehrhardt ·
Hochgeschwindigkeits-Tiefbohrung an Metallwerkstück mit sichtbarem Kühlmittelstrahl und feinem Metallnebel in sauberer Werkzeugmaschine.

Für das Tieflochbohren mit Kühlschmierstoff eignet sich in den meisten Fällen ein Ölnebelabscheider als primäres Filtersystem. Entsteht zusätzlich Dampf oder werden wassermischbare Kühlschmierstoffe eingesetzt, ist eine Kombination aus Ölnebelabscheider und Aktivkohlefilter sinnvoll. Die Wahl des richtigen Systems hängt von Werkstoff, Kühlschmierstofftyp und Volumenstrom der Maschine ab. Die folgenden Abschnitte beantworten die wichtigsten Fragen zur Absaugtechnik Tieflochbohren Schritt für Schritt.

Welche Schadstoffe entstehen beim Tieflochbohren mit Kühlschmierstoff?

Beim Tieflochbohren mit Kühlschmierstoff entstehen vor allem Ölnebel, Öldämpfe und feine Aerosole. Diese werden durch die hohe Schnittgeschwindigkeit, den Druck des Kühlschmierstoffs und die entstehende Prozesswärme freigesetzt. Je nach Werkstoff und Kühlschmierstofftyp können zusätzlich Partikel unter 1 µm auftreten, die tief in die Atemwege eindringen.

Konkret sind folgende Schadstoffe relevant:

  • Ölnebel und Ölaerosole aus mineralölbasierten Kühlschmierstoffen
  • Wasserdampf und Bioziddämpfe aus wassermischbaren Emulsionen
  • Metallpartikel und Späne in feiner Verteilung bei harten Werkstoffen
  • VOC (flüchtige organische Verbindungen) aus Additiven im Kühlschmierstoff

Nach TRGS 611 sind wassermischbare Kühlschmierstoffe besonders zu überwachen, da sie Nitrosamine und andere krebserzeugende Verbindungen enthalten können. Die Gefährdungsbeurteilung nach §5 ArbSchG ist die Pflichtgrundlage für die Auswahl der Absauganlage. Betriebe, die bei einer BG-Prüfung keine ausreichende Absaugtechnik nachweisen können, riskieren Bußgelder, Auflagen und im Schadensfall die persönliche Haftung verantwortlicher Führungskräfte.

Ölnebelabscheider oder Nassabscheider – was eignet sich besser?

Für die Kühlschmierstoffabsaugung beim Tieflochbohren eignet sich in der Regel ein Ölnebelabscheider. Er scheidet Aerosole und Ölnebel effizient ab und gibt den Kühlschmierstoff als Kondensat zurück. Nassabscheider sind eine Alternative, wenn reaktive Werkstoffe wie Aluminium, Magnesium oder Titan bearbeitet werden und Brandgefahr durch Metallpartikel besteht.

Ölnebelabscheider: Stärken und Einsatzbereich

Ölnebelabscheider arbeiten mit Koaleszenzfiltern oder Zentrifugalabscheidung. Sie sind für mineralölbasierte Kühlschmierstoffe und Emulsionen ausgelegt. Partikel ab 0,3 µm werden zuverlässig abgeschieden. Der abgeschiedene Kühlschmierstoff wird gesammelt und kann dem Prozess wieder zugeführt werden. Das reduziert den Verbrauch messbar.

Nassabscheider: Wann sie sinnvoll sind

Nassabscheider binden Partikel in einer Flüssigkeit. Sie sind besonders geeignet, wenn explosionsgefährdete Metallstäube anfallen. Bei der Zerspanung von Aluminium oder Magnesium verhindert der Nassabscheider eine Staubexplosion. Für reine Ölnebelproblematiken sind sie jedoch aufwendiger im Betrieb und weniger energieeffizient als ein Koaleszenzabscheider.

Welche Filterklasse ist für Kühlschmierstoffdämpfe vorgeschrieben?

Für Kühlschmierstoffdämpfe und Ölnebel in der Zerspanung ist mindestens die Filterklasse E10 nach DIN EN 1822 gefordert, wenn krebserzeugende Inhaltsstoffe im Kühlschmierstoff vorhanden sind. Bei Einsatz wassermischbarer Kühlschmierstoffe mit Nitrosaminen oder anderen CMR-Stoffen gelten erhöhte Anforderungen gemäß TRGS 611 und DGUV Information 213-726.

Folgende Filterklassen sind in der Praxis relevant:

  • G4 / M6: Vorfilter für grobe Aerosole und Späne
  • F7 bis F9: Hauptfiltration für feine Ölnebel bei unkritischen Kühlschmierstoffen
  • E10 / H13 (HEPA): Pflicht bei krebserzeugenden Inhaltsstoffen oder Metallstäuben
  • Aktivkohlefilter: Ergänzend bei VOC-Belastung und Geruchsemissionen

Das Minimierungsgebot nach TRGS 900 gilt ausdrücklich auch für Kühlschmierstoffdämpfe. Betreiber sind verpflichtet, die Exposition so weit zu reduzieren, wie es technisch möglich ist, auch wenn der Arbeitsplatzgrenzwert (AGW) formal eingehalten wird.

Wie wird eine Absauganlage für Tieflochbohrmaschinen dimensioniert?

Die Dimensionierung einer Absauganlage für Tieflochbohrmaschinen basiert auf dem Volumenstrom der Maschine, der Erfassungsgeometrie und dem Schadstoffpotenzial des Kühlschmierstoffs. Als Ausgangspunkt gilt: Der Absaugvolumenstrom muss mindestens so hoch sein, dass an der Erfassungsstelle eine Strömungsgeschwindigkeit von 0,5 bis 1,0 m/s erreicht wird.

Folgende Parameter fließen in die Auslegung ein:

  1. Maschinengröße und Bohrtiefe: Größere Bohrräume erzeugen mehr Aerosolvolumen
  2. Kühlschmierstoffdruck und -menge: Höherer Druck bedeutet mehr Vernebelung
  3. Werkstoff: Stahl, Aluminium und Titan erfordern unterschiedliche Filterkonzepte
  4. Anzahl der Maschinen: Bei zentraler Absaugung wird der Gesamtvolumenstrom aller angeschlossenen Maschinen berechnet
  5. Rückluft oder Außenluft: Wird gefilterte Luft in die Halle zurückgeführt, gelten höhere Filteranforderungen

Typische Richtwerte für Einzelmaschinen liegen zwischen 500 und 3.000 m³/h. Bei zentralen Absauganlagen für die Zerspanung sind Volumenströme von 10.000 m³/h und mehr üblich. Die Auslegung sollte immer auf Basis einer messtechnischen Erfassung oder eines Prozess-Audits erfolgen, nicht allein auf Erfahrungswerten.

Kann die Absauganlage den Kühlschmierstoff zurückgewinnen?

Ja. Moderne Ölnebelabscheider sind so ausgelegt, dass der abgeschiedene Kühlschmierstoff als Kondensat gesammelt und dem Kühlmittelkreislauf wieder zugeführt werden kann. Das reduziert den Verbrauch von Frischkühlschmierstoff und senkt die Entsorgungskosten.

Voraussetzung für eine sinnvolle Rückgewinnung ist, dass der abgeschiedene Kühlschmierstoff nicht mit Metallspänen, Schmutz oder anderen Verunreinigungen kontaminiert ist. Dazu sind vorgelagerte Grobabscheider oder Zyklone sinnvoll, die grobe Partikel vor dem Hauptfilter abscheiden. Bei wassermischbaren Emulsionen ist eine Qualitätskontrolle des Kondensats empfehlenswert, bevor es zurück in den Kreislauf geführt wird. Die Rückgewinnung rechnet sich besonders bei teuren Hochleistungskühlschmierstoffen und bei hohem Maschinendurchsatz.

Welche Förderprogramme gelten für Absauganlagen in der Zerspanung?

Absauganlagen für die Zerspanung können über mehrere staatliche Förderprogramme bezuschusst werden. Relevant sind 2026 vor allem das BAFA-Programm zur Bundesförderung für Energie- und Ressourceneffizienz in der Wirtschaft (EEW) sowie KfW-Kredite für energieeffiziente Produktionsanlagen.

Folgende Programme kommen in Frage:

  • BAFA EEW Modul 1 und 2: Förderung von Einzelmaßnahmen und Querschnittstechnologien, zu denen energieeffiziente Absauganlagen zählen
  • KfW-Kredit 270 / 295: Günstige Kredite für Investitionen in Energieeffizienz und Umweltschutz
  • DGUV-Prävention: Berufsgenossenschaften können Prämien für Investitionen in den Arbeitsschutz gewähren

Voraussetzung für die BAFA-Förderung ist in der Regel ein Energieaudit oder ein Energiemanagementsystem nach ISO 50001. Die Anlage muss eine nachweisbare Energieeinsparung erzielen, was bei modernen Absauganlagen mit Wärmerückgewinnung und bedarfsgeregeltem Antrieb regelmäßig der Fall ist. Eine frühzeitige Abstimmung mit dem Fördermittelberater vor der Investitionsentscheidung ist empfehlenswert, da Förderanträge vor Auftragsvergabe gestellt werden müssen.

So unterstützt ULMATEC bei der Absaugtechnik für das Tieflochbohren

Für Betreiber in der Zerspanung, die Kühlschmierstoffaerosole sicher erfassen und normkonform filtern müssen, analysiert ULMATEC den jeweiligen Werkstoff, Prozess und Volumenstrom und entwickelt, fertigt und montiert die passende Absauganlage dazu. Auslegung, Fertigung, Montage und Inbetriebnahme erfolgen aus einer Hand, hergestellt in Deutschland.

Konkret bieten wir für das Tieflochbohren:

  • Ölnebelabscheider mit Koaleszenzfiltern für Partikel ab 0,3 µm, ausgelegt für Volumenströme von 500 bis 100.000 m³/h
  • Mehrstufige Filtersysteme mit Vorfilter, Hauptfilter (bis H13) und optionalem Aktivkohlefilter für VOC
  • Kondensatrückführung zur Kühlschmierstoffrückgewinnung direkt in den Maschinenkreislauf
  • Zentrale Absauganlagen für mehrere Tieflochbohrmaschinen mit bedarfsgeregeltem Antrieb und Wärmerückgewinnung
  • Vollständige technische Dokumentation für BAFA- und KfW-Förderanträge sowie BG-Prüfungen

Sprechen Sie uns an: Wir analysieren Ihre Anlage, ermitteln den erforderlichen Volumenstrom und legen das passende Filtersystem für Ihre Zerspanung aus. Nehmen Sie jetzt Kontakt mit ULMATEC auf und erhalten Sie eine technische Ersteinschätzung für Ihre Tieflochbohrmaschine. Einen umfassenden Überblick über das gesamte Spektrum an Absauganlagen von ULMATEC finden Sie auf der Produktübersichtsseite.

Related Articles

[esi um_geo_shortcode ttl="0" position="footer" get=""]
Scroll to Top

Kontakt

Rückrufbitte ULMATEC

Sie wünschen einen Rückruf?
Bitte hinterlassen Sie uns Ihre Kontaktdaten.

This field is for validation purposes and should be left unchanged.
Ihr Vor- und Nachname(Required)

Ich habe die Datenschutzerklärung zur Kenntnis genommen. Ich stimme zu, dass meine Angaben und Daten zur Beantwortung meiner Anfrage elektronisch erhoben und gespeichert werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit für die Zukunft widerrufen.

Kontakt

Rückrufbitte ULMATEC

Sie wünschen einen Rückruf?
Bitte hinterlassen Sie uns Ihre Kontaktdaten.

This field is for validation purposes and should be left unchanged.
Ihr Vor- und Nachname(Required)

Ich habe die Datenschutzerklärung zur Kenntnis genommen. Ich stimme zu, dass meine Angaben und Daten zur Beantwortung meiner Anfrage elektronisch erhoben und gespeichert werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit für die Zukunft widerrufen.

Rückrufbitte ULMATEC

Sie wünschen einen Rückruf?
Bitte hinterlassen Sie uns Ihre Kontaktdaten.

This field is for validation purposes and should be left unchanged.
Ihr Vor- und Nachname(Required)

Ich habe die Datenschutzerklärung zur Kenntnis genommen. Ich stimme zu, dass meine Angaben und Daten zur Beantwortung meiner Anfrage elektronisch erhoben und gespeichert werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit für die Zukunft widerrufen.