Wer in der Metallverarbeitung, Elektronikfertigung oder im Anlagenbau arbeitet, kennt das Problem: Beim Schweißen und Löten entstehen Rauch und Dämpfe, die direkt am Arbeitsplatz eingeatmet werden können. Die Auswahl der richtigen Filtersysteme für Schweißrauch und Lötrauch ist dabei keine optionale Maßnahme, sondern eine gesetzliche Pflicht und ein zentrales Element des Arbeitsschutzes. Dieser Artikel beantwortet die wichtigsten Fragen rund um Schweißrauchfilter, Lötrauchabsaugung und die Auswahl der passenden Absauganlage für Ihren Betrieb.
Von der Gefährdungsbeurteilung über die Wahl des Filtertyps bis hin zu verfügbaren Fördermitteln: Hier finden Betreiber, Produktionsleiter und Arbeitsschutzverantwortliche konkrete Antworten, die sich direkt in die Praxis übertragen lassen.
Was sind Schweißrauch und Lötrauch, und warum sind sie gefährlich?
Schweißrauch und Lötrauch sind Gemische aus feinen Partikeln und gasförmigen Schadstoffen, die beim thermischen Fügen von Metallen entstehen. Schweißrauch enthält Metalloxide, Feinstaub und je nach Grundwerkstoff auch krebserzeugende Substanzen wie Chrom(VI)-Verbindungen oder Nickeloxide. Lötrauch enthält Flussmitteldämpfe, Harzsäuren und flüchtige organische Verbindungen (VOC).
Die Partikel im Schweißrauch sind häufig kleiner als 1 Mikrometer. Sie dringen tief in die Atemwege ein und können dort dauerhaften Schaden anrichten. Nach TRGS 528 gilt Schweißrauch aus Stählen mit Chrom- oder Nickelanteilen als nachweislich krebserzeugend. Der Arbeitsplatzgrenzwert (AGW) für allgemeinen Schweißrauch liegt laut TRGS 900 bei 1,25 mg/m³ als alveolengängige Fraktion. Dieser Wert ist ohne technische Schutzmaßnahmen an einem aktiven Schweißarbeitsplatz kaum einzuhalten.
Lötrauch ist ebenfalls nicht zu unterschätzen. Besonders kolophoniumhaltige Flussmittel setzen beim Weichlöten Dämpfe frei, die Atemwegserkrankungen und Berufsasthma auslösen können. Für Betreiber bedeutet das: Sowohl beim Schweißen als auch beim Löten besteht eine klare Pflicht zur technischen Absaugung direkt an der Entstehungsquelle.
Welche Filtertypen eignen sich für Schweißrauch?
Für das Absaugen von Schweißrauch kommen primär Trockenfiltersysteme mit Hochleistungsfilterpatronen oder Taschenfiltern zum Einsatz. Entscheidend ist die Filterklasse: Für krebserzeugende Schweißrauche ist mindestens die Filterklasse W3 nach DIN EN ISO 15012-1 erforderlich, die einen Abscheidegrad von mindestens 99 % gewährleistet.
Filterpatronen und Taschenfilter
Filterpatronen aus Zellulose oder Polyester-Zellulose-Gemischen sind die am häufigsten eingesetzten Filtermedien beim Schweißen. Sie bieten eine hohe Staubspeicherkapazität und lassen sich durch integrierte Druckluftabreinigung (Jet-Pulse-Reinigung) automatisch regenerieren. Das verlängert die Standzeit und reduziert den Wartungsaufwand erheblich.
Taschenfilter werden vor allem in größeren zentralen Absauganlagen eingesetzt, wenn hohe Luftvolumina von mehreren tausend m³/h gefiltert werden müssen. Sie bieten eine große Filterfläche bei kompakter Bauform.
HEPA-Nachfilter für krebserzeugende Stoffe
Beim Schweißen von legierten Stählen, Edelstahl oder beschichteten Materialien reicht ein einfacher Vorfilter nicht aus. Hier ist ein mehrstufiges Filtersystem notwendig: Ein Vorfilter hält grobe Partikel zurück, ein Hauptfilter (W3-Klasse) filtert den Feinstaub, und ein HEPA-Nachfilter der Klasse H13 oder H14 sichert die Abluft für eine mögliche Rückführung in die Halle. Nur so lassen sich die Grenzwerte nach TRGS 528 zuverlässig einhalten.
Welche Filtersysteme sind speziell für Lötrauch geeignet?
Für Lötrauch sind Kombinationsfiltersysteme aus Partikelfilter und Aktivkohlefilter die geeignete Wahl. Der Partikelfilter hält Feststoffpartikel zurück, während die Aktivkohlestufe gasförmige Schadstoffe und flüchtige organische Verbindungen (VOC) aus dem Flussmittel adsorbiert. Ohne Aktivkohlestufe passieren die gasförmigen Anteile den Filter ungehindert.
Beim Weichlöten mit kolophoniumhaltigen Flussmitteln entstehen Aerosole und Dämpfe, die besonders reaktiv sind. Ein reiner Partikelfilter wäre hier unzureichend. Die Aktivkohlestufe muss auf die jeweiligen VOC-Verbindungen abgestimmt sein, da unterschiedliche Aktivkohletypen unterschiedliche Adsorptionseigenschaften besitzen.
Für Betriebe, die sowohl löten als auch schweißen, bieten sich modulare Filtersysteme an, die je nach Anwendung mit unterschiedlichen Filterstufen bestückt werden können. So lässt sich ein System für mehrere Prozesse nutzen, ohne für jeden Arbeitsplatz eine separate Anlage anschaffen zu müssen.
Was ist der Unterschied zwischen zentraler und dezentraler Absauganlage?
Eine dezentrale Absauganlage steht direkt am Arbeitsplatz und versorgt einen oder wenige Absaugpunkte. Eine zentrale Absauganlage ist stationär installiert, versorgt mehrere Arbeitsplätze gleichzeitig über ein Rohrleitungsnetz und filtert die gesamte Abluft an einer zentralen Stelle. Die richtige Wahl hängt von der Anzahl der Absaugstellen, dem Gleichzeitigkeitsfaktor und den räumlichen Gegebenheiten ab.
Dezentrale Absaugung: Vorteile und Grenzen
Dezentrale Geräte sind flexibel, schnell einsatzbereit und erfordern keine aufwendige Rohrleitungsinstallation. Sie eignen sich besonders für Betriebe mit wenigen, räumlich getrennten Schweißarbeitsplätzen oder für wechselnde Arbeitsorte. Ein typisches dezentrales Gerät deckt Luftvolumina von 500 bis 3.000 m³/h ab.
Zentrale Absaugung: Wann sie die bessere Wahl ist
Ab einer bestimmten Anzahl von Arbeitsplätzen wird eine zentrale Anlage wirtschaftlicher. Ein wichtiger Planungsparameter ist dabei der Gleichzeitigkeitsfaktor: Sind von zehn Schweißplätzen erfahrungsgemäß immer nur sechs gleichzeitig aktiv, muss die Anlage nicht für zehn, sondern nur für sechs Absaugstellen ausgelegt werden. Das kann die Anlagengröße und damit die Investitionskosten erheblich reduzieren. Zentrale Anlagen von ULMATEC decken Luftvolumina von 3.000 bis 250.000 m³/h ab und lassen sich in den Größen S bis XXL skalieren.
Mehr zu den verfügbaren Anwendungen und Einsatzbereichen finden Sie in der Übersicht auf unserer Website.
Wie wählt man das richtige Filtersystem für seinen Betrieb aus?
Die Auswahl des richtigen Filtersystems für Schweißrauch oder Lötrauch erfordert fünf zentrale Angaben: den benötigten Luftvolumenstrom, eine genaue Prozessbeschreibung, den Gleichzeitigkeitsfaktor, das verfügbare Budget und den geplanten Projektzeitrahmen. Ohne diese Informationen ist keine bedarfsgerechte Auslegung möglich.
Der Luftvolumenstrom ist dabei der kritischste Parameter und gleichzeitig derjenige, der den meisten Betreibern nicht bekannt ist. Er ergibt sich aus der Anzahl der Absaugstellen, dem erforderlichen Erfassungsvolumenstrom je Stelle und dem Gleichzeitigkeitsfaktor. Eine falsch dimensionierte Anlage, die zu klein ausgelegt ist, hält die Grenzwerte nicht ein. Eine zu groß ausgelegte Anlage verursacht unnötig hohe Betriebskosten.
Folgende Fragen sollten vor der Systemauswahl beantwortet sein:
- Welche Werkstoffe werden geschweißt oder gelötet (Baustahl, Edelstahl, Aluminium, beschichtete Bleche)?
- Welche Flussmittel oder Schutzgase kommen zum Einsatz?
- Wie viele Arbeitsplätze müssen gleichzeitig abgesaugt werden?
- Soll die gefilterte Luft in die Halle zurückgeführt oder nach außen abgeleitet werden?
- Welche Filterklasse ist nach TRGS 528 für den jeweiligen Prozess vorgeschrieben?
Besonders bei krebserzeugenden Schweißrauchen (zum Beispiel beim Schweißen von Chrom-Nickel-Stahl) ist die Rückluftführung in die Halle nur mit einem geprüften W3-System und HEPA-Nachfilter zulässig. Hier sollte die Planung immer mit einer Gefährdungsbeurteilung nach DGUV beginnen.
Welche Fördermittel gibt es für Absauganlagen im Betrieb?
Absauganlagen für Schweißrauch und Lötrauch sind in Deutschland grundsätzlich förderfähig. Die wichtigsten Programme sind die BAFA-Bundesförderung für Energie- und Ressourceneffizienz in der Industrie sowie KfW-Kredite für Investitionen in Umwelt- und Arbeitsschutz. Voraussetzung ist in der Regel, dass die Anlage bestimmte Energieeffizienzkriterien erfüllt oder nachweislich zur Emissionsreduzierung beiträgt.
Über das BAFA-Programm „Bundesförderung für Energie- und Ressourceneffizienz in der Industrie“ (EEI) können Unternehmen Zuschüsse für Absauganlagen erhalten, wenn diese mit effizienten Antrieben und geregelten Ventilatoren ausgestattet sind. Die Kombination aus Absaugung, Wärmerückgewinnung und bedarfsgeregeltem Betrieb erhöht dabei die Förderfähigkeit deutlich.
Folgende Förderwege sind für Betreiber relevant:
- BAFA EEI: Zuschüsse für energieeffiziente Querschnittstechnologien, zu denen Ventilatoren und Filtersysteme zählen können
- KfW 295 / KfW 296: Günstige Kredite für Investitionen in Umwelt- und Klimaschutz
- Berufsgenossenschaft (BG): In bestimmten Fällen Prämien für Präventionsmaßnahmen im Arbeitsschutz
- Länderspezifische Programme: Einige Bundesländer bieten zusätzliche Zuschüsse für Arbeitsschutzinvestitionen
Alle Anlagen müssen für eine Förderung technisch dokumentiert und normkonform sein. Eine vollständige technische Dokumentation ist daher nicht nur für die Abnahme durch die Berufsgenossenschaft, sondern auch für Förderanträge unverzichtbar. Für eine individuelle Beratung zu Fördermöglichkeiten empfiehlt sich der frühzeitige Kontakt mit einem spezialisierten Anbieter sowie einem Energieberater.
Wie ULMATEC bei der Auswahl von Filtersystemen für Schweißrauch und Lötrauch hilft
Wir entwickeln, fertigen und montieren industrielle Absauganlagen für Schweißrauch, Lötrauch, Plasmaschneiddämpfe und andere luftgetragene Schadstoffe. Unsere Systeme sind modular aufgebaut und können aus über 100 Filterkombinationen auf den jeweiligen Prozess abgestimmt werden – von der Einzelplatzlösung bis zur zentralen Anlage für Luftvolumina bis 250.000 m³/h.
Was uns von einer reinen Produktlieferung unterscheidet:
- Auslegung auf Basis Ihrer konkreten Prozessbeschreibung, Absaugstellenanzahl und Gleichzeitigkeitsfaktor
- Filterklassenauswahl nach TRGS 528, DGUV und geltenden Normen, inklusive W3-Systemen für krebserzeugende Schweißrauche
- Modulare Systeme mit der Möglichkeit zur Wärmerückgewinnung und Klimatisierung
- Lieferung inklusive vollständiger technischer Dokumentation für BG-Prüfungen und Förderanträge
- CE-Konformität, ATEX-Eignung und Made-in-Germany-Qualität als Standard
- Unterstützung bei BAFA- und KfW-Fördermittelanträgen
Für Betreiber, die jetzt einen Schweißarbeitsplatz absichern müssen oder eine bestehende Anlage ersetzen wollen: Nehmen Sie Kontakt mit uns auf und schildern Sie uns Ihren Prozess. Auf Basis Ihrer Angaben erstellen wir Ihnen innerhalb von 24 Stunden eine Angebotsgrundlage. Einen ersten Überblick über unser Produktportfolio für industrielle Filtersysteme finden Sie direkt auf unserer Website.
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