Wie wirkt sich die Kühlschmierstofftemperatur auf die Aerosolkonzentration in der Werkstatt aus?

Daniel Ehrhardt ·
Kühlmittelaerosol steigt von CNC-Bearbeitungszentrum auf, glänzendes Werkstück unter Metallnebel, Industriefilter im Hintergrund.

Je höher die Temperatur eines Kühlschmierstoffs, desto mehr Aerosole entstehen in der Werkstattluft. Das ist keine Faustregel, sondern ein physikalischer Zusammenhang mit direkten Folgen für die Gesundheit der Mitarbeiter und die Einhaltung von Arbeitsschutzvorschriften. Dieser Artikel beantwortet die wichtigsten Fragen rund um Kühlschmierstofftemperatur, Aerosolkonzentration und die richtigen technischen Gegenmaßnahmen.

Ab welcher Temperatur steigt die Aerosolbildung beim Kühlschmierstoff stark an?

Die Aerosolbildung beim Kühlschmierstoff nimmt ab einer Fluidtemperatur von etwa 40 °C messbar zu. Oberhalb von 60 °C setzt eine verstärkte Kühlschmierstoff-Verdampfung ein, die zu einer deutlich erhöhten Aerosolkonzentration in der Werkstattluft führt. Bei wassergemischten Kühlschmierstoffen liegt der kritische Bereich zwischen 50 und 70 °C, bei reinen Ölen bereits früher.

Der Grund liegt in der Dampfdruckkurve der enthaltenen Kohlenwasserstoffe und Additive. Schon bei moderaten Temperaturen verdampfen leichtflüchtige Anteile und kondensieren anschließend zu feinen Tröpfchen in der Umgebungsluft. Dieser Vorgang wird durch mechanische Einflüsse wie rotierende Werkzeuge, Spritzeffekte und hohe Schnittgeschwindigkeiten zusätzlich verstärkt.

Für Betreiber gilt: Kühlschmierstofftemperaturen über 50 °C sollten als Warnschwelle betrachtet werden. Nach TRGS 611 sind Betriebe verpflichtet, Gefährdungen durch Kühlschmierstoffe zu beurteilen und technische Schutzmaßnahmen zu ergreifen, sobald die Exposition der Mitarbeiter steigt.

Welche Faktoren beeinflussen die Aerosolkonzentration neben der Temperatur?

Neben der Kühlschmierstofftemperatur beeinflussen vor allem Schnittgeschwindigkeit, Werkzeuggeometrie, Kühlschmierstofftyp und der Zustand des Fluids die Aerosolkonzentration in der Werkstatt. Diese Faktoren wirken teils unabhängig voneinander, verstärken sich aber häufig gegenseitig.

Prozess- und maschinenseitige Einflüsse

Hohe Schnittgeschwindigkeiten zerreißen den Kühlschmierstofffilm mechanisch und erzeugen feine Tröpfchen, die als Aerosol in der Luft schweben. Gleiches gilt für rotierende Werkzeuge wie Fräser oder Schleifscheiben, die den Kühlschmierstoff mit hoher Energie verteilen. Auch der Einsatz von Hochdruckkühlung erhöht die Aerosolbildung erheblich, da der Strahl beim Auftreffen auf das Werkstück zerstäubt.

Fluid- und betriebsseitige Einflüsse

Der Zustand des Kühlschmierstoffs spielt eine unterschätzte Rolle. Veraltete oder mikrobiell belastete Emulsionen enthalten Abbauprodukte, die leichter verdampfen und aggressivere Aerosole bilden. Reine Öle erzeugen tendenziell feinere Partikel als Emulsionen, was die Filtration erschwert. Auch die Konzentration des Kühlschmierstoffs, die Hallengeometrie und die Lüftungssituation bestimmen, wie hoch die tatsächliche Belastung am Arbeitsplatz ausfällt.

Wie gefährlich sind Kühlschmierstoffaerosole für die Gesundheit der Mitarbeiter?

Kühlschmierstoff-Aerosole sind gesundheitlich relevant, weil feine Tröpfchen und Dämpfe tief in die Atemwege eindringen können. Der Arbeitsplatzgrenzwert (AGW) für Kühlschmierstoffaerosole beträgt nach TRGS 611 in Verbindung mit der DGUV Information 213-725 maximal 10 mg/m³ (alveolengängige Fraktion: 3 mg/m³). Werden diese Werte überschritten, besteht ein erhöhtes Risiko für Atemwegserkrankungen, Hautkrankheiten und im Langzeitverlauf für Krebserkrankungen.

Besonders problematisch sind nitrosaminbildende Verbindungen in veralteten Kühlschmierstoffsystemen sowie polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) in bestimmten Mineralölen. Betriebe, die bei einer BG-Prüfung keine ausreichende Absaugtechnik nachweisen können, riskieren Bußgelder, Auflagen und im Schadensfall die persönliche Haftung verantwortlicher Führungskräfte.

Die Gefährdungsbeurteilung nach § 5 ArbSchG ist die Grundlage jeder Maßnahmenplanung. Sie muss die tatsächliche Exposition am Arbeitsplatz messen oder abschätzen und daraus konkrete technische, organisatorische und persönliche Schutzmaßnahmen ableiten.

Wie lässt sich die Kühlschmierstofftemperatur im Betrieb kontrollieren?

Die Kühlschmierstofftemperatur lässt sich durch Kühlaggregate, ausreichend dimensionierte Vorratstanks und regelmäßige Wartung des Kühlkreislaufs kontrollieren. Ziel ist es, die Fluidtemperatur dauerhaft unter 40 °C zu halten, um die Aerosolbildung auf ein technisch unvermeidbares Mindestmaß zu reduzieren.

Folgende Maßnahmen haben sich in der Praxis bewährt:

  • Kühlaggregate und Wärmetauscher direkt im Kühlschmierstoffkreislauf einsetzen, besonders bei intensiven Zerspanungsprozessen
  • Ausreichend große Vorratstanks verwenden, da größere Flüssigkeitsmengen Wärme besser puffern
  • Regelmäßige Temperaturüberwachung mit fest installierten Sensoren und definierten Warnschwellen
  • Kühlschmierstoffpflege sicherstellen: Konzentration, pH-Wert und mikrobiologischer Status beeinflussen das Verdampfungsverhalten
  • Maschinenabdeckungen und Spritzschutz einsetzen, um die mechanische Aerosolbildung an der Entstehungsquelle zu begrenzen

Organisatorisch hilft es, Bearbeitungszeiten zu staffeln und Hochlastphasen zu begrenzen, um einen kontinuierlichen Temperaturanstieg im Kühlschmierstoffsystem zu vermeiden. Diese Maßnahmen reduzieren die Aerosolkonzentration, ersetzen aber keine technische Absaugung.

Welche Absaugtechnik eignet sich bei erhöhter Aerosolbelastung durch Kühlschmierstoffe?

Bei erhöhter Aerosolbelastung durch Kühlschmierstoffe sind Ölnebelabscheider die technisch geeignete Lösung. Sie erfassen Ölnebel und Kühlschmierstoffaerosole direkt an der Entstehungsquelle und scheiden die Partikel durch mehrstufige Filtration ab. Je nach Partikelgröße und Konzentration kommen Koaleszenzabscheider, elektrostatische Abscheider oder Kombinationssysteme zum Einsatz.

Entscheidend für die Auswahl ist die Partikelgrößenverteilung des Aerosols. Feine Ölnebeltröpfchen unter 1 µm erfordern andere Filterstufen als grobe Spritzpartikel. Die Gefährdungsbeurteilung liefert hier die Grundlage für die technische Auslegung.

Typische Anforderungen an die Absaugtechnik bei Kühlschmierstoffaerosolen:

  • Erfassung direkt an der Maschine, möglichst als geschlossenes Kapselungssystem oder mit Erfassungselement an der Bearbeitungszone
  • Mehrstufige Filtration: Vorabscheider für grobe Partikel, Koaleszenzfilter für feine Tröpfchen, optional HEPA-Endstufe für ultrafeine Partikel
  • Rückluftbetrieb möglich, wenn die Reinluft die Grenzwerte nach TRGS 900 sicher unterschreitet
  • Regelmäßige Wartung und Filterüberwachung, da gesättigte Filter die Abscheideleistung deutlich reduzieren

Für Betriebe mit mehreren Bearbeitungsmaschinen kann eine zentrale Absauganlage wirtschaftlicher sein als dezentrale Einzelgeräte. Die Entscheidung hängt vom Volumenstrom, der Maschinenanzahl und der Hallengeometrie ab.

Wie ULMATEC bei Kühlschmierstoffaerosolen und Ölnebelbelastung unterstützt

Für Betreiber in der Zerspanung, die erhöhte Aerosolkonzentrationen durch Kühlschmierstoffe sicher und normkonform reduzieren müssen, analysiert ULMATEC den jeweiligen Prozess, den Volumenstrom und die Partikelcharakteristik und entwickelt, fertigt und montiert die passende Absauganlage dazu. Hergestellt in Deutschland, ausgelegt nach TRGS 611 und DGUV-Vorgaben.

Was wir konkret leisten:

  • Prozessanalyse: Erfassung von Schnittgeschwindigkeit, Kühlschmierstofftyp, Maschinenanzahl und Hallengeometrie als Grundlage der Auslegung
  • Ölnebelabscheider für Volumenströme von 500 bis 100.000 m³/h, wählbar aus über 100 Filterkombinationen je nach Partikelgröße und Konzentration
  • Zentrale und dezentrale Lösungen: Einzelgeräte pro Maschine oder zentrale Absauganlagen für Luftvolumen bis 250.000 m³/h
  • Integration von Wärmerückgewinnung, um Energiekosten im laufenden Betrieb zu senken
  • Technische Dokumentation für Gefährdungsbeurteilung, BG-Prüfung und Fördermittelanträge (BAFA, KfW)

Sprechen Sie uns an und schildern Sie Ihren Prozess. Wir beraten Sie technisch und legen gemeinsam fest, welche Absauganlagen Ihre Aerosolbelastung sicher unter die geltenden Grenzwerte senken.

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