[esi um_geo_shortcode ttl="0" position="header"]

Nassschleifen: Entstehen dabei weniger gefährliche Stäube?

Daniel Ehrhardt ·
Metallwerkstück beim Nassschleifen auf Industrieschleifmaschine, Kühlwasser und Schleifschlamm strömen über die Oberfläche.

Wer in der Metallbearbeitung schleift, kennt das Problem: feiner Schleifstaub, der sich in der Luft verteilt und eingeatmet werden kann. Eine häufige Frage in der Praxis lautet, ob Nassschleifen die Staubentwicklung reduziert und damit sicherer für Beschäftigte ist. Die Antwort ist differenzierter, als viele erwarten. Nassschleifen verändert die Art der Emissionen, eliminiert sie aber nicht vollständig.

Für Betreiber in der Metallverarbeitung, die Schleifstaub und Schleifrauch am Arbeitsplatz reduzieren müssen, ist das Verständnis der Unterschiede zwischen Nassschleifen und Trockenschleifen entscheidend. Dieser Artikel beantwortet die wichtigsten Fragen rund um Nassschleifen, Staubentwicklung und die richtige Absaugtechnik.

Was ist Nassschleifen und wie funktioniert es?

Nassschleifen ist ein Schleifverfahren, bei dem während des Schleifvorgangs eine Flüssigkeit, meist Kühlschmierstoff oder Wasser, in die Kontaktzone zwischen Werkzeug und Werkstück zugeführt wird. Die Flüssigkeit kühlt, schmiert und bindet gleichzeitig entstehende Partikel. Das Verfahren wird in der Metallbearbeitung, im Werkzeugbau und in der Präzisionsfertigung eingesetzt.

Die Flüssigkeit übernimmt mehrere Aufgaben gleichzeitig. Sie senkt die Temperatur an der Schleifstelle, verhindert übermäßigen Werkzeugverschleiß und bindet einen Teil der entstehenden Partikel. Typische Anwendungen sind das Flachschleifen von Stahl, das Rundschleifen von Wellen oder das Feinschleifen von Werkzeugstählen. Im Gegensatz dazu erfolgt Trockenschleifen ohne Kühlmittel, was zu höheren Temperaturen und einer stärkeren Freisetzung von Partikeln in die Luft führt.

Entsteht beim Nassschleifen wirklich weniger Staub?

Beim Nassschleifen entsteht weniger trockener Schwebstaub als beim Trockenschleifen, weil die Kühlflüssigkeit einen erheblichen Teil der Partikel bindet und zu Boden zieht. Allerdings entstehen stattdessen Aerosole und Kühlschmierstoffnebel, die ebenfalls gesundheitsgefährdend sein können. Die Staubentwicklung wird verändert, nicht beseitigt.

Der entscheidende Unterschied liegt in der Partikelform. Beim Trockenschleifen werden feine Partikel als trockener Schleifstaub freigesetzt, der lange in der Luft schwebt. Beim Nassschleifen werden viele Partikel durch die Flüssigkeit gebunden; gleichzeitig entstehen jedoch feine Tröpfchen, die Metallpartikel, Kühlschmierstoffreste und Mikroorganismen transportieren können. Diese Aerosole sind mit bloßem Auge kaum sichtbar und werden deshalb häufig unterschätzt.

Typische Herausforderung: Betreiber sehen weniger sichtbaren Staub und schließen daraus, dass keine Gefährdung vorliegt. Das ist ein Trugschluss, der bei BG-Prüfungen zu Problemen führen kann.

Welche Schadstoffe entstehen beim Nassschleifen?

Beim Nassschleifen entstehen primär Kühlschmierstoffaerosole, Metallpartikel im Mikrometer- und Submikrometerbereich sowie – abhängig vom Werkstoff – Metalloxide und Legierungsbestandteile. Bei Edelstählen können chromhaltige Partikel freigesetzt werden, die als krebserzeugend eingestuft sind.

Kühlschmierstoffaerosole

Kühlschmierstoffe werden durch die hohe Schleifgeschwindigkeit in feinste Tröpfchen zerrissen. Diese Aerosole enthalten neben dem eigentlichen Schmierstoff auch Additive, Biozide und Zersetzungsprodukte. Nach TRGS 611 gelten für Kühlschmierstoffaerosole am Arbeitsplatz Grenzwerte, die eingehalten werden müssen. Der allgemeine Staubgrenzwert (AGW) liegt für einatembare Stäube bei 10 mg/m³, für alveolengängige Stäube bei 1,25 mg/m³.

Metallpartikel und Legierungsbestandteile

Das geschliffene Material gibt Partikel ab, deren Zusammensetzung vom Werkstoff abhängt. Bei unlegierten Stählen entstehen Eisenoxide. Bei legierten Stählen, Hartmetallen oder Sonderlegierungen können Nickel, Chrom(VI)-Verbindungen, Kobalt oder Wolfram freigesetzt werden. Diese Stoffe unterliegen teils sehr niedrigen Grenzwerten nach TRGS 900. Chrom(VI)-Verbindungen haben einen Grenzwert von 0,01 mg/m³, was eine zuverlässige Erfassung und Filtration zwingend erforderlich macht.

Mikroorganismen in Kühlschmierstoffen

Wassergemischte Kühlschmierstoffe sind ein idealer Nährboden für Bakterien und Pilze. Diese Mikroorganismen werden beim Schleifen mit dem Aerosol in die Atemluft eingetragen. Regelmäßige Kontrolle und Pflege des Kühlschmierstoffs nach DGUV Information 209-093 sind daher Pflicht, nicht optional.

Ist Nassschleifen sicherer als Trockenschleifen?

Nassschleifen ist nicht automatisch sicherer als Trockenschleifen. Es verlagert das Gefährdungsprofil von trockenem Schleifstaub hin zu Aerosolen und Kühlschmierstoffemissionen. Welches Verfahren sicherer ist, hängt vom Werkstoff, der Anlage und den getroffenen Schutzmaßnahmen ab.

Beim Trockenschleifen ist die Gefährdung durch Schleifstaub gut messbar und durch Absaugtechnik direkt an der Entstehungsquelle beherrschbar. Beim Nassschleifen ist die Situation komplexer, weil mehrere Gefährdungsarten gleichzeitig auftreten: Aerosole, Mikroorganismen, Hautbelastung durch den Kühlschmierstoff und Rutschgefahr durch Flüssigkeit am Boden. Beide Verfahren erfordern Schutzmaßnahmen. Der Unterschied liegt in der Art der erforderlichen Maßnahmen, nicht in deren Notwendigkeit.

Für Betreiber in der Metallverarbeitung, die gesetzliche Anforderungen einhalten müssen, gilt: Die Gefährdungsbeurteilung nach ArbSchG und DGUV Vorschrift 1 muss beide Gefährdungsarten erfassen und bewerten. Wer nur auf die sichtbare Staubentwicklung schaut, übersieht die unsichtbaren Aerosole.

Welche Absaugtechnik eignet sich für Nassschleifprozesse?

Für Nassschleifprozesse eignen sich Nassabscheider und Ölnebelabscheider, da sie flüssigkeitsbeladene Aerosole und feuchte Partikel zuverlässig aus der Luft filtern. Trockenfilter sind für diese Anwendung ungeeignet, weil Feuchtigkeit das Filtermedium verklebt und zu Druckverlust oder Filterversagen führt.

Nassabscheider

Nassabscheider arbeiten, indem die belastete Luft durch einen Wasservorhang oder ein Flüssigkeitsbad geleitet wird. Partikel und Aerosole werden durch die Flüssigkeit gebunden und aus dem Luftstrom entfernt. Diese Technologie ist besonders geeignet, wenn gleichzeitig Brandschutzanforderungen bestehen oder wenn die Partikel explosionsfähig sind. Industrielle Filtersysteme für Nassanwendungen müssen auf den spezifischen Kühlschmierstoff und die Partikelgröße abgestimmt sein.

Ölnebelabscheider

Bei wassergemischten oder ölbasierten Kühlschmierstoffen sind Ölnebelabscheider die richtige Wahl. Sie scheiden feine Tröpfchen durch Koaleszenzfilter oder elektrostatische Abscheidung aus der Luft ab. Die abgeschiedene Flüssigkeit kann aufgefangen und dem Prozess zurückgeführt werden, was Betriebskosten senkt. Für die Auslegung ist der Volumenstrom der belasteten Luft entscheidend, der sich aus der Anzahl der gleichzeitig betriebenen Schleifstellen ergibt.

Kombinierte Systeme

In der Praxis entstehen beim Nassschleifen oft sowohl Aerosole als auch trockene Reststäube, zum Beispiel wenn Teile nach dem Schleifen noch trocken nachbearbeitet werden. Hier bieten sich kombinierte Systeme an, die Nassabscheidung und Trockenfilter in einer Anlage vereinen. Absauganwendungen für die Metallbearbeitung erfordern eine genaue Prozessanalyse, bevor die Technik festgelegt wird.

Wann ist eine Absauganlage beim Nassschleifen Pflicht?

Eine Absauganlage beim Nassschleifen ist immer dann Pflicht, wenn in der Gefährdungsbeurteilung festgestellt wird, dass Grenzwerte für Aerosole, Schleifstaub oder spezifische Stoffe ohne technische Schutzmaßnahmen überschritten werden. Bei krebserzeugenden Stoffen wie Chrom(VI)-Verbindungen gilt das Minimierungsgebot ohne Ausnahme.

Die rechtliche Grundlage bilden die Gefahrstoffverordnung (GefStoffV), die TRGS 900 mit den Arbeitsplatzgrenzwerten sowie die DGUV Vorschrift 1. Nach dem STOP-Prinzip (Substitution, technisch, organisatorisch, persönlich) hat die technische Schutzmaßnahme, also die Absaugung, Vorrang vor persönlicher Schutzausrüstung wie Atemschutzmasken. Atemschutz ersetzt keine Absaugung; er ergänzt sie allenfalls.

Besonders kritisch sind folgende Situationen, in denen eine Absauganlage zwingend erforderlich ist:

  • Schleifen von legierten Stählen mit Chrom-, Nickel- oder Kobaltanteilen
  • Nassschleifen in geschlossenen oder schlecht belüfteten Räumen
  • Betrieb mehrerer Schleifmaschinen gleichzeitig in einer Halle
  • Verarbeitung von Hartmetallen oder Sonderlegierungen
  • Nachweis von Grenzwertüberschreitungen durch Arbeitsplatzmessungen

Betreiber, die nach einem Behördenbesuch oder einer BG-Prüfung handeln müssen, sollten nicht nur die offensichtlichen Staubquellen im Blick haben. Auch die Aerosole aus dem Nassschleifprozess werden bei Messungen erfasst und bewertet. Technische Beratung und Planung helfen dabei, die richtige Anlage rechtzeitig zu spezifizieren.

Wie ULMATEC bei Nassschleifprozessen unterstützt

Für Betreiber in der Metallverarbeitung, die Nassschleifprozesse sicher und normkonform betreiben müssen, bieten wir konkrete technische Lösungen statt allgemeiner Versprechen. Unsere Absauganlagen und Filtersysteme sind auf die spezifischen Emissionen des Nassschleifens ausgelegt – von Kühlschmierstoffaerosolen bis zu metallischen Feinstpartikeln.

Was wir konkret leisten:

  • Auslegung von Nassabscheidern und Ölnebelabscheidern für Luftvolumenströme von 500 bis 100.000 m³/h
  • Auswahl aus über 100 Filterkombinationen, abgestimmt auf den jeweiligen Kühlschmierstoff und Werkstoff
  • Planung kombinierter Systeme für Prozesse mit Nass- und Trockenanteilen
  • Vollständige technische Dokumentation für BG-Prüfungen und Behördenabnahmen
  • Engineering, Fertigung und Montage aus einer Hand, inklusive ATEX-Eignung, wo erforderlich
  • Förderfähige Anlagen nach BAFA und KfW

Wir erstellen auf Basis einer strukturierten Prozessanalyse ein konkretes Angebot, das auf Ihren Volumenstrom, Ihre Schleifstellen und Ihren Werkstoff abgestimmt ist. Sprechen Sie uns direkt an und schildern Sie Ihren Schleifprozess. Wir analysieren Ihre Situation und zeigen Ihnen, welche Absaugtechnik für Ihren Nassschleifprozess normkonform und wirtschaftlich sinnvoll ist.

Related Articles

[esi um_geo_shortcode ttl="0" position="footer"]
Scroll to Top

Kontakt

Rückrufbitte ULMATEC

Sie wünschen einen Rückruf?
Bitte hinterlassen Sie uns Ihre Kontaktdaten.

This field is for validation purposes and should be left unchanged.
Ihr Vor- und Nachname(Required)

Ich habe die Datenschutzerklärung zur Kenntnis genommen. Ich stimme zu, dass meine Angaben und Daten zur Beantwortung meiner Anfrage elektronisch erhoben und gespeichert werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit für die Zukunft widerrufen.

Kontakt

Rückrufbitte ULMATEC

Sie wünschen einen Rückruf?
Bitte hinterlassen Sie uns Ihre Kontaktdaten.

This field is for validation purposes and should be left unchanged.
Ihr Vor- und Nachname(Required)

Ich habe die Datenschutzerklärung zur Kenntnis genommen. Ich stimme zu, dass meine Angaben und Daten zur Beantwortung meiner Anfrage elektronisch erhoben und gespeichert werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit für die Zukunft widerrufen.

Rückrufbitte ULMATEC

Sie wünschen einen Rückruf?
Bitte hinterlassen Sie uns Ihre Kontaktdaten.

This field is for validation purposes and should be left unchanged.
Ihr Vor- und Nachname(Required)

Ich habe die Datenschutzerklärung zur Kenntnis genommen. Ich stimme zu, dass meine Angaben und Daten zur Beantwortung meiner Anfrage elektronisch erhoben und gespeichert werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit für die Zukunft widerrufen.