Was ist der Unterschied zwischen Direktabsaugung und Einhausung bei Bearbeitungszentren?

Daniel Ehrhardt ·
CNC-Bearbeitungszentrum mit Spanabsaugung am Spindelkopf neben Schutzgehäuse auf Fabrikboden, metallischer Dunst in der Luft.

Der Unterschied zwischen Direktabsaugung und Einhausung bei Bearbeitungszentren liegt im Erfassungsprinzip: Die Direktabsaugung erfasst Schadstoffe nah an der Entstehungsquelle, während eine Einhausung den gesamten Bearbeitungsraum kapselt und Emissionen vollständig einschließt. Welche Methode geeignet ist, hängt vom Schadstoff, dem Prozess und dem erforderlichen Luftvolumen ab. Die folgenden Abschnitte beantworten die wichtigsten Fragen zur Auswahl und Kombination beider Systeme.

Wann ist Direktabsaugung die bessere Wahl?

Direktabsaugung ist die bessere Wahl, wenn Schadstoffe punktuell und vorhersehbar an einer definierten Stelle entstehen. Das ist typischerweise bei Schleifprozessen, Fräsoperationen mit trockenem Span oder der Bearbeitung von Kunststoffen der Fall. Die Erfassungselemente werden dabei nah an der Werkzeugzone positioniert, sodass Staub, Aerosole oder Rauch direkt am Entstehungsort abgesaugt werden, bevor sie sich in der Hallenluft verteilen.

Typische Herausforderung: Der Bediener bewegt das Werkzeug oder das Werkstück, und die Absaugposition muss flexibel mitgeführt werden. In solchen Fällen eignen sich verstellbare Absaugarme oder integrierte Absaugdüsen im Werkzeughalter.

Direktabsaugung arbeitet mit vergleichsweise geringen Luftvolumenströmen, weil nur ein kleiner Erfassungsbereich abgedeckt werden muss. Das senkt den Energiebedarf und reduziert die Anforderungen an das Filtersystem. Nach TRGS 900 und den Vorgaben der DGUV ist die quellennahe Erfassung grundsätzlich der Raumluftverdünnung vorzuziehen, weil sie Grenzwerte zuverlässiger einhält.

  • Geeignet für: Schleifen, Fräsen, Bohren mit definierter Schadstoffquelle
  • Medien: Trockene Stäube, Späne, Kunststoffrauch, Schweißrauch
  • Vorteil: Geringer Volumenstrom, niedrige Betriebskosten
  • Einschränkung: Weniger wirksam bei diffusen oder wechselnden Emissionsquellen

Wie funktioniert eine Einhausung als Absauglösung?

Eine Einhausung kapselt den gesamten Bearbeitungsraum eines Bearbeitungszentrums und verhindert so, dass Emissionen in die Umgebungsluft gelangen. Der Innenraum wird unter leichtem Unterdruck gehalten, und die kontaminierte Luft wird über einen zentralen Absaugpunkt abgeführt und gefiltert. Dieses Prinzip eignet sich besonders, wenn Schadstoffe nicht punktuell, sondern flächig oder an wechselnden Positionen entstehen.

Bei der Nassbearbeitung mit Kühlschmierstoff entsteht ein feiner Ölnebel, der sich im gesamten Arbeitsraum verteilt. Eine Direktabsaugung kann diesen diffusen Ölnebel nicht vollständig erfassen. Die Einhausung hingegen schließt den Emissionsraum vollständig ein und leitet den gesamten Luftstrom zur Filtration.

Wichtig für Betreiber: Die Einhausung muss luftdicht konstruiert sein. Undichte Stellen am Maschinenbett, an Türen oder Kabeldurchführungen heben den Unterdruckeffekt auf und machen die Absaugung wirkungslos. Die Auslegung muss daher den tatsächlichen Luftwechselbedarf im Innenraum berücksichtigen, nicht nur den Nenndurchsatz der Anlage.

Was sind die Unterschiede bei Filtration und Luftvolumen?

Der entscheidende Unterschied liegt im erforderlichen Luftvolumenstrom: Direktabsaugung kommt mit deutlich geringeren Volumenströmen aus, weil nur ein kleiner Erfassungsbereich versorgt wird. Eine Einhausung muss den gesamten Innenraum des Bearbeitungszentrums mehrfach pro Stunde umwälzen, was den Volumenstrom und damit den Energiebedarf erheblich erhöht.

Für die Filtration gilt: Der Schadstoff bestimmt die Filterklasse. Bei trockenen Stäuben aus der Späneabsaugung reichen in vielen Fällen Filterklassen nach EN 779 oder ISO 16890 aus. Bei Ölnebel aus Kühlschmierstoff kommen Ölnebelabscheider mit Koaleszenzfiltern zum Einsatz. Bei krebserzeugenden Stäuben, etwa durch die Bearbeitung von Aluminium mit bestimmten Legierungen oder bei Hartmetall, schreiben TRGS 559 und DGUV Information 209-044 den Einsatz von Hochleistungsfiltern der Klasse H vor.

Filtration bei Direktabsaugung

Bei der Direktabsaugung ist der Volumenstrom konzentrierter. Das bedeutet: Die Filterbelastung pro Flächeneinheit ist höher, aber die Gesamtfilterfläche kann kleiner dimensioniert werden. Filterstandzeiten sind gut planbar, weil die Schadstoffmenge vorhersehbar ist.

Filtration bei Einhausung

Bei der Einhausung wird ein großes Luftvolumen mit geringerer Schadstoffkonzentration gefiltert. Das erfordert größere Filterflächen und leistungsfähigere Ventilatoren. Der Vorteil: Auch diffuse Emissionen werden zuverlässig erfasst, und die Raumluftqualität bleibt konstant.

Welche Lösung eignet sich für welchen Schadstoff?

Die Schadstoffart ist das entscheidende Kriterium bei der Wahl zwischen Direktabsaugung und Einhausung. Trockene Späne und grobe Partikel lassen sich gut mit Direktabsaugung erfassen. Ölnebel, feine Aerosole und gasförmige Emissionen aus Kühlschmierstoff erfordern dagegen eine Einhausung oder zumindest eine ergänzende Lösung.

  • Trockene Späne und Schleifstaub: Direktabsaugung mit Trockenfilter, Filterklasse je nach Gefährdungsbeurteilung
  • Ölnebel aus Kühlschmierstoff: Einhausung mit Ölnebelabscheider, Koaleszenzfilter oder elektrostatischer Abscheidung
  • Hartmetallstaub (kobalthaltig): Direktabsaugung mit H-Klasse-Filter nach TRGS 900, Grenzwert für Kobalt beachten
  • Aluminium- oder Magnesiumstaub: Nassabscheider zwingend erforderlich, da reaktive Stäube explosionsgefährdet sind (ATEX-Richtlinie 2014/34/EU)
  • VOC und Lösemitteldämpfe: Einhausung mit nachgeschaltetem Aktivkohlefilter oder thermischer Nachverbrennung

Für Betreiber in der Zerspanung, die mit Kühlschmierstoff arbeiten, ist die Gefährdungsbeurteilung nach TRGS 611 Pflicht. Sie legt fest, welche Filterklasse und welches Erfassungsprinzip eingesetzt werden muss. Betriebe, die bei einer BG-Prüfung keine ausreichende Absaugtechnik nachweisen können, riskieren Bußgelder, Auflagen und im Schadensfall die persönliche Haftung verantwortlicher Führungskräfte.

Lassen sich Direktabsaugung und Einhausung kombinieren?

Ja, Direktabsaugung und Einhausung lassen sich kombinieren und ergänzen sich in vielen Anwendungen sinnvoll. Die Einhausung übernimmt die Grundabsicherung des gesamten Bearbeitungsraums, während die Direktabsaugung besonders schadstoffintensive Zonen gezielt erfasst. Diese Kombination reduziert den Gesamtvolumenstrom, weil die Direktabsaugung die Hauptlast trägt und die Einhausung nur den Restanteil abführen muss.

Ein typisches Beispiel: Ein CNC-Bearbeitungszentrum mit Kühlschmierstoff wird eingehaust, um Ölnebel zu kontrollieren. Zusätzlich wird eine Direktabsaugung am Werkzeugkopf integriert, die grobe Späne und Partikel direkt abführt, bevor sie sich im Innenraum verteilen. Das entlastet den Ölnebelabscheider und verlängert dessen Filterstandzeit.

Für die Auslegung einer kombinierten Lösung müssen Volumenstrom, Druckverlust und Filterklassen aufeinander abgestimmt werden. Eine nicht abgestimmte Kombination kann dazu führen, dass der Unterdruck in der Einhausung zusammenbricht oder die Direktabsaugung den Lufthaushalt stört. Die Auslegung erfordert daher eine Analyse des tatsächlichen Prozesses, der Schadstoffmenge und der Maschinengeometrie. Weitere Informationen zu den verfügbaren Absaugsystemen und Filtertechnologien helfen bei der Einschätzung, welche Konfiguration für den jeweiligen Prozess geeignet ist.

So unterstützt ULMATEC bei der Absaugung an Bearbeitungszentren

Für Betreiber in der Zerspanung und Metallbearbeitung, die Direktabsaugung, Einhausung oder eine Kombination aus beiden Systemen benötigen, analysiert ULMATEC den jeweiligen Werkstoff, Prozess und Volumenstrom und entwickelt, fertigt und montiert die passende Absauganlage dazu. Auslegung, Fertigung, Montage und Inbetriebnahme erfolgen aus einer Hand, hergestellt in Deutschland.

  • Auslegung von Direktabsaugsystemen für Schleif-, Fräs- und Bohrprozesse nach TRGS und DGUV
  • Einhausungskonzepte mit Ölnebelabscheider für Kühlschmierstoffanwendungen
  • Nassabscheider für reaktive Stäube aus Aluminium, Magnesium und Titan gemäß ATEX 2014/34/EU
  • Zentrale Absauganlagen für Luftvolumen von 3.000 bis 250.000 m³/h in den Größen S bis XXL
  • Über 100 Filterkombinationen für Partikelgrößen und Schadstoffklassen nach Gefährdungsbeurteilung
  • Technische Dokumentation und Förderfähigkeit nach BAFA und KfW

Sprechen Sie uns an: Über unsere Kontaktseite erreichen Sie unsere Spezialisten direkt. Wir analysieren Ihren Prozess und legen die geeignete Absauganlage für Ihr Bearbeitungszentrum aus. Einen umfassenden Überblick über das gesamte Spektrum unserer Absauganlagen finden Sie auf unserer Website.

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