Welche Rolle spielt die Raumlüftung in einer Schweißerei? > ULMATEC Filtration

Welche Rolle spielt die Raumlüftung in einer Schweißerei?

Daniel Ehrhardt ·

Die Raumlüftung in einer Schweißerei erfüllt eine zentrale Schutzfunktion: Sie sorgt dafür, dass Schweißrauch, Schadstoffe und Feinstaubpartikel nicht in der Atemluft der Beschäftigten verbleiben. Ohne eine wirksame Lüftung oder Absauganlage steigen die Schadstoffkonzentrationen am Arbeitsplatz schnell über die zulässigen Grenzwerte. Dieser Artikel beantwortet die wichtigsten Fragen rund um Schweißrauchabsaugung, gesetzliche Pflichten und die richtige Auslegung einer Absauganlage für die Schweißerei.

Welche Schadstoffe entstehen beim Schweißen in der Halle?

Beim Schweißen entstehen Schwebstoffe, Gase und Metalldämpfe, die je nach Grundwerkstoff und Schweißverfahren unterschiedlich zusammengesetzt und unterschiedlich gefährlich sind. Schweißrauch besteht überwiegend aus ultrafeinen Partikeln mit einem aerodynamischen Durchmesser unter einem Mikrometer, die tief in die Lunge eindringen. Dazu kommen gasförmige Schadstoffe wie Stickoxide, Ozon und Kohlenmonoxid.

Besonders kritisch ist das Schweißen hochlegierter Chrom-Nickel-Stähle (Edelstahl). Dabei entstehen Chrom(VI)-Verbindungen und Nickeloxide, die als krebserzeugend eingestuft sind. Nach TRGS 561 und dem risikobezogenen Maßnahmenkonzept der TRGS 910 gilt für diese Stoffe kein klassischer Arbeitsplatzgrenzwert (AGW), sondern eine Akzeptanz- und Toleranzkonzentration. Das bedeutet: Jede vermeidbare Exposition muss minimiert werden, unabhängig davon, ob ein Grenzwert formal eingehalten wird.

Weitere relevante Schadstoffe in der Schweißhalle sind:

  • Manganoxide aus unlegierten und niedriglegierten Stählen
  • Zinkoxide beim Schweißen verzinkter Bauteile
  • Aluminiumoxide beim MIG-Schweißen von Aluminium
  • Fluoride beim Lichtbogenhandschweißen mit umhüllten Elektroden
  • Ozon und Stickstoffdioxid besonders beim WIG- und Plasmaschweißen

Die DGUV Information 209-016 gibt einen systematischen Überblick über Schadstoffe beim Schweißen und verwandten Verfahren. Sie ist das maßgebliche Referenzdokument für die Gefährdungsbeurteilung am Schweißarbeitsplatz.

Was sind die gesetzlichen Anforderungen an die Schweißhallenbelüftung?

Die gesetzliche Grundlage für die Lüftung einer Schweißerei bilden die Gefahrstoffverordnung (GefStoffV), die TRGS 528 (Schweißtechnische Arbeiten) und die DGUV Regel 109-002 (Arbeitsplatzlüftung). Diese Regelwerke verpflichten Betreiber, Schweißrauch vorrangig an der Entstehungsstelle zu erfassen und abzuscheiden.

Das Prinzip der Gefahrstoffverordnung folgt einer klaren Rangfolge: Substitution vor technischen Schutzmaßnahmen vor persönlicher Schutzausrüstung. Lüftung und Absauganlage sind technische Maßnahmen und stehen damit deutlich vor dem Atemschutz. Eine allgemeine Hallenlüftung, die Schweißrauch lediglich verdünnt und verteilt, ist in den meisten Fällen nicht ausreichend.

Für die Filterklassifizierung gilt nach DIN EN ISO 21904-2:

  • W1 (mindestens 95 % Abscheidegrad): für un- und niedriglegierte Stähle
  • W2 (mindestens 98 %): für legierte Stähle mit 5 bis 30 % Chrom-/Nickelanteil
  • W3 (mindestens 99 %): für hochlegierte Chrom-Nickel-Stähle mit über 30 % Anteil; W3-Geräte werden vom IFA der DGUV geprüft

Beim Schweißen hochlegierter Chrom-Nickel-Stähle fordert die TRGS 528 Abscheider der Abscheideklasse W3. Betriebe, die bei einer BG-Prüfung keine ausreichende Absaugtechnik nachweisen können, riskieren Bußgelder, Auflagen und im Schadensfall die persönliche Haftung verantwortlicher Führungskräfte. Absauganwendungen im Überblick zeigen, welche Verfahren welche Anforderungen auslösen.

Was ist der Unterschied zwischen Absaugung und allgemeiner Raumlüftung?

Der entscheidende Unterschied liegt im Wirkprinzip: Eine Absauganlage erfasst Schweißrauch direkt an der Entstehungsstelle, bevor er sich in der Raumluft verteilt. Eine allgemeine Raumlüftung hingegen verdünnt und transportiert bereits vorhandene Schadstoffe ab, ohne die Konzentration an der Einatemzone des Schweißers wirksam zu senken.

Punktabsaugung am Schweißarbeitsplatz ist technisch effektiver, weil die Schadstoffkonzentration im Erfassungsbereich ein Vielfaches der Hallenkonzentration beträgt. Wer nur auf Hallenlüftung setzt, muss enorme Luftmengen bewegen, um dieselbe Schutzwirkung zu erreichen, was energetisch aufwendig und oft trotzdem unzureichend ist.

Raumlüftung in der Schweißerei hat trotzdem ihren Platz: als ergänzende Maßnahme, um Restbelastungen abzuführen, die trotz Punktabsaugung in die Halle gelangen. Sie ersetzt die Absauganlage am Arbeitsplatz jedoch nicht. Die DGUV Regel 109-002 beschreibt diesen kombinierten Ansatz aus Erfassung an der Quelle und unterstützender Hallenlüftung.

Wie wird eine Lüftungsanlage für eine Schweißerei richtig ausgelegt?

Die Auslegung einer Absauganlage für die Schweißerei beginnt mit der Gefährdungsbeurteilung. Sie legt fest, welche Werkstoffe verarbeitet werden, welche Schweißverfahren zum Einsatz kommen und wie viele Arbeitsplätze gleichzeitig aktiv sind. Erst danach lassen sich Volumenstrom, Filterklasse und Anlagentyp bestimmen.

Ein wichtiger Auslegungsparameter ist der Gleichzeitigkeitsfaktor (GZF). Er beschreibt das Verhältnis der gleichzeitig aktiven Absaugstellen zur Gesamtzahl der Absaugstellen. Sind in einer Schweißerei mit 20 Arbeitsplätzen typischerweise 12 gleichzeitig aktiv, ergibt sich ein GZF von 0,6. Das ermöglicht eine bis zu 40 % kleinere Anlagendimensionierung gegenüber der Vollauslastung. Dieser Faktor ist ein zentrales Planungsinstrument und direkt relevant für die Auslegung von Absauganlagen.

Weitere Auslegungsparameter umfassen:

  • Art des Erfassungselements: Absaugarm, Brennerabsaugung, Absaugtisch oder Schweißkabine
  • Erforderliche Filterklasse nach DIN EN ISO 21904-2 (W1, W2 oder W3) in Abhängigkeit vom Grundwerkstoff
  • Möglichkeit der Luftrückführung (Umluft) oder Abluftbetrieb: Bei krebserzeugenden Schadstoffen gelten die Anforderungen der TRGS 560 an die Dichtheit von Luftleitungen
  • Druckverlust im Rohrleitungsnetz bei zentralen Anlagen
  • Schallschutzanforderungen für den Aufstellungsort

Die Norm DIN EN 689 beschreibt die Bewertungsstrategie für Expositionsmessungen und liefert die Grundlage, um nach der Inbetriebnahme zu prüfen, ob die Anlage die Grenzwerte tatsächlich einhält.

Kann eine Lüftungsanlage in der Schweißerei Energie sparen?

Ja, eine modern ausgelegte Absauganlage kann den Energieverbrauch in der Schweißerei deutlich senken. Der größte Hebel ist die bedarfsgerechte Regelung des Volumenstroms über frequenzgeregelte Antriebe: Die Anlage läuft nur mit dem Luftvolumen, das tatsächlich benötigt wird, nicht dauerhaft auf Maximallast.

Hinzu kommt die Möglichkeit der Wärmerückgewinnung. Wer Abluft aus der Halle abführt, verliert Heizenergie. Systeme, die gereinigte Luft als Umluft zurückführen, vermeiden diesen Verlust vollständig. Bei krebserzeugenden Schadstoffen ist der Umluftbetrieb an strenge Bedingungen geknüpft (TRGS 560), aber bei W1- und W2-Anwendungen ist er technisch und normativ gut umsetzbar.

Bedarfsgerechte Absauganlagen können außerdem die Heiz- und Klimatisierungskosten in der Halle reduzieren, weil weniger Frischluft nachgeheizt werden muss. Investitionen in energieeffiziente Absaugtechnik können grundsätzlich förderfähig sein, etwa über BAFA oder KfW. Ob und in welchem Umfang eine Förderung möglich ist, hängt von den jeweils geltenden Voraussetzungen und einer individuellen Prüfung ab.

Wann reicht eine mobile Absaugung – und wann braucht man eine zentrale Anlage?

Eine mobile Schweißrauchabsaugung ist geeignet, wenn einzelne Schweißarbeitsplätze wechselnde Standorte haben, die Anzahl der Schweißer gering ist oder die Halle räumlich so strukturiert ist, dass eine Rohrleitung nicht wirtschaftlich verlegt werden kann. Mobile Geräte sind flexibel einsetzbar und schnell in Betrieb genommen.

Eine stationäre, zentrale Absauganlage ist die richtige Wahl, wenn mehrere Schweißarbeitsplätze dauerhaft betrieben werden. Zentrale Anlagen sind bei vielen gleichzeitig aktiven Plätzen pro Absaugstelle deutlich wirtschaftlicher als mehrere Einzelgeräte. Sie lassen sich besser in Gebäudeleittechnik integrieren, ermöglichen zentrale Filterüberwachung und sind einfacher zu warten.

Die Entscheidungskriterien im Überblick:

  • Mobile Absauganlage sinnvoll: wenige Schweißer, wechselnde Standorte, Werkstattbetrieb, kleine Stückzahlen
  • Dezentrale Einzelgeräte sinnvoll: räumlich getrennte Arbeitsplätze ohne gemeinsame Rohrleitungsführung
  • Zentrale Absauganlage sinnvoll: ab ca. 4 bis 5 dauerhaft betriebenen Schweißarbeitsplätzen, Serienfertigung, Roboterschweißanlagen, große Produktionshallen

Bei automatisierten Schweißanlagen und Roboterschweißzellen ist eine stationäre Lösung mit fester Absaughaube oder Brennerabsaugung in der Regel zwingend, da mobile Geräte die Erfassung im Takt der Anlage nicht zuverlässig gewährleisten können. Ein Überblick über verfügbare mobile Absauganlagen und stationäre Lösungen hilft bei der ersten Orientierung.

Wie ULMATEC bei der Schweißhallenbelüftung unterstützt

Wir analysieren bei jedem Projekt den konkreten Werkstoff, das Schweißverfahren und den erforderlichen Volumenstrom. Darauf aufbauend entwickeln, fertigen und montieren wir die passende Absauganlage. Das Leistungsspektrum umfasst:

  • Gefährdungsbeurteilung und Auslegungsrechnung inklusive Gleichzeitigkeitsfaktor (GZF)
  • Auswahl der richtigen Filterklasse nach DIN EN ISO 21904-2 (W1 bis W3) in Abhängigkeit vom Grundwerkstoff
  • Mobile Absauganlagen für flexible Einzelarbeitsplätze sowie zentrale Absauganlagen für Produktionshallen
  • Integration von Wärmerückgewinnung und frequenzgeregelten Antrieben für energieeffizienten Betrieb
  • Vollständige technische Dokumentation für BG-Prüfungen und Behörden
  • Auslegung, Fertigung, Montage und Inbetriebnahme aus einer Hand, hergestellt in Deutschland

Anlagen, die wir für Schweißereien auslegen, sind meist grundsätzlich förderfähig über BAFA oder KfW. Die tatsächliche Förderung hängt von den jeweils geltenden Voraussetzungen und einer individuellen Prüfung ab. Wir unterstützen Sie bei der Vorbereitung der notwendigen Unterlagen.

Wenn Sie wissen möchten, welche Absauganlage für Ihre Schweißerei die richtige ist, sprechen Sie uns direkt an. Über unsere Kontaktseite erreichen Sie unsere Spezialisten für eine konkrete Auslegungsberatung.

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