Wie unterscheiden sich organische und mineralische Stäube in der Abscheidung? > ULMATEC Filtration

Wie unterscheiden sich organische und mineralische Stäube in der Abscheidung?

Daniel Ehrhardt ·

Organische und mineralische Stäube unterscheiden sich grundlegend in ihrer chemischen Zusammensetzung, ihrer Partikelstruktur und ihrem Verhalten im Filterprozess. Diese Unterschiede bestimmen direkt, welche Abscheidetechnik, welches Filtermedium und welche Geräteklasse für eine Absauganlage gewählt werden muss. Der folgende Artikel beantwortet die wichtigsten Fragen zur Staubabscheidung bei organischen und mineralischen Stäuben.

Welche Eigenschaften machen organische und mineralische Stäube so unterschiedlich?

Organische Stäube entstehen aus kohlenstoffhaltigen Materialien wie Holz, Getreide, Papier oder Kunststoff. Mineralische Stäube stammen aus anorganischen Materialien wie Quarz, Zement, Gestein oder Metall. Der entscheidende Unterschied liegt in der Partikelstruktur, der Dichte, der elektrostatischen Aufladbarkeit und dem Explosionspotenzial.

Organische Stäube: leicht, faserig, explosionsgefährdet

Organische Stäube sind häufig leicht und faserig. Holzstaub beispielsweise enthält Zellulosefasern mit unregelmäßiger Form, die sich im Luftstrom anders verhalten als kugelförmige Partikel. Viele organische Stäube sind brennbar und können unter bestimmten Bedingungen explosionsfähige Staub-Luft-Gemische bilden. Holzstaub fällt zudem unter TRGS 553 und die DGUV Information 209-044, da bestimmte Holzarten krebserzeugende Inhaltsstoffe enthalten.

Mineralische Stäube: dicht, abrasiv, silikoseauslösend

Mineralische Stäube wie Quarzstaub oder Zementstaub sind dichter und abrasiver. Quarzstaub (Siliziumdioxid) gilt als besonders gefährlich, weil die feinen Partikel tief in die Lunge eindringen und Silikose auslösen können. Mineralische Stäube neigen weniger zur elektrostatischen Aufladung, belasten aber Filtermedien und Fördersysteme durch ihre hohe Abrasivität stärker.

Warum reagieren organische Stäube anders auf Filtermedien als mineralische?

Organische Stäube reagieren anders auf Filtermedien, weil ihre Partikel unregelmäßiger geformt, leichter und oft elektrostatisch aufladbar sind. Das beeinflusst, wie sich der Filterkuchen aufbaut, wie gut die Abreinigung funktioniert und wie stark das Filtermedium beansprucht wird.

Faserige organische Partikel wie Holz- oder Papierstaub verfilzen sich im Filtermedium stärker als sphärische Partikel. Das führt zu einem dichteren Filterkuchen, der den Differenzdruck schneller ansteigen lässt. Gleichzeitig können elektrostatisch aufgeladene Partikel an Kunststofffiltermedien haften und die Abreinigung durch Druckluftimpulse erschweren.

Mineralische Stäube hingegen bilden einen gleichmäßigeren Filterkuchen, der sich bei der Abreinigung oft leichter ablöst. Allerdings schleifen abrasive Partikel wie Quarz oder Schleifstaub das Filtermedium mechanisch ab, was die Standzeit des Filters verkürzt. Für abrasive mineralische Stäube eignen sich daher robustere Filtermaterialien oder vorgeschaltete Abscheidestufen.

Welche Filterverfahren eignen sich für organische Stäube?

Für organische Stäube eignen sich je nach Gefährdungspotenzial Trockenfilter mit Gewebefiltermedien, Nassabscheider bei klebrigen oder reaktiven Stäuben sowie mehrstufige Systeme mit Vorabscheidung. Die Wahl der Geräteklasse richtet sich nach dem Arbeitsplatzgrenzwert (AGW) des jeweiligen Staubs.

Bei trockener Staubabsaugung gilt die Geräteklasse L, M oder H nach DIN EN IEC 60335-2-69. Die Zuordnung erfolgt über den AGW: Klasse L für Stäube mit einem AGW über 1 mg/m³, Klasse M ab 0,1 mg/m³ und Klasse H für Stäube mit einem AGW unter 0,1 mg/m³ sowie für krebserzeugende Stäube. Krebserzeugende Holzstäube, etwa von Eiche oder Buche, erfordern deshalb Entstauber der Klasse H mit einem maximalen Durchlassgrad von 0,005 %.

Bei hygroskopischen, klebrigen oder elektrostatisch aufladbaren organischen Stäuben sind Nassabscheider die geeignete Technologieoption. Sie verhindern Staubablagerungen im Filtermedium und reduzieren das Explosionsrisiko, da die Partikel sofort gebunden werden. Für brennbare organische Stäube müssen zudem ATEX-Anforderungen berücksichtigt werden.

Welche Abscheidetechnik ist bei mineralischen Stäuben am wirksamsten?

Bei mineralischen Stäuben sind Trockenfilteranlagen mit Cartridge-Filtern oder Gewebefiltern in Kombination mit einer Vorabscheidung am wirksamsten. Die Vorabscheidung, etwa durch einen Zyklon, entlastet das Filtermedium und verlängert die Standzeit bei abrasiven Stäuben erheblich.

Feinkörnige mineralische Stäube wie Quarz oder Zement enthalten einen hohen Anteil an alveolengängiger Fraktion (A-Fraktion). Der allgemeine Staubgrenzwert nach TRGS 900 liegt für die A-Fraktion bei 1,25 mg/m³. Stäube, die diesen Wert unterschreiten oder krebserzeugendes Potenzial besitzen, erfordern höhere Filterleistungen der Klasse H.

Abrasive mineralische Stäube beanspruchen Filtermedien mechanisch stark. Entstauber der CF-Serie mit robusten Cartridge-Filtern und automatischer Druckluftabreinigung sind für diesen Einsatzbereich geeignet, weil sie den Filterkuchen kontinuierlich abreinigen und den Differenzdruck stabil halten. Für besonders abrasive Materialien empfiehlt sich zudem ein Vorabscheider, der den Grobanteil vor dem Hauptfilter zurückhält.

Wann ist ein kombiniertes Filtersystem sinnvoll?

Ein kombiniertes Filtersystem ist sinnvoll, wenn ein Prozess gleichzeitig Stäube unterschiedlicher Eigenschaften erzeugt, wenn grobe und feine Partikel gemeinsam anfallen oder wenn neben Partikeln auch Gase oder Dämpfe abgeschieden werden müssen.

Typische Anwendungsfälle für kombinierte Systeme sind Schleifprozesse, bei denen sowohl Metallstaub als auch organische Bindemittel aus Schleifscheiben anfallen, oder Holzbearbeitungsprozesse, bei denen neben Holzstaub auch Lacknebel oder Lösemitteldämpfe entstehen. Bei Gemischen aus Staub und Dampf gilt: Die Partikelabscheidung muss immer zuerst erfolgen, danach die Gasphasenbehandlung, etwa durch Aktivkohle.

Auch wenn ein Prozess Stäube verschiedener Gefährdungsklassen erzeugt, kann ein kombiniertes System mit mehrstufiger Filtration erforderlich sein. Die Gefährdungsbeurteilung bildet dabei die Grundlage für die Auswahl der Geräteklasse und der Filterstufen. Betriebe, die bei einer BG-Prüfung keine ausreichende Absaugtechnik nachweisen können, riskieren Bußgelder, Auflagen und im Schadensfall die persönliche Haftung verantwortlicher Führungskräfte.

Welche Normen und Grenzwerte gelten für die Staubabscheidung?

Für die Staubabscheidung bei organischen und mineralischen Stäuben gelten die Geräteklassen L, M und H nach DIN EN IEC 60335-2-69, die Arbeitsplatzgrenzwerte nach TRGS 900 sowie bei krebserzeugenden Stäuben das Risikokonzept der TRGS 910. Welche Klasse erforderlich ist, richtet sich nach dem AGW des jeweiligen Staubs.

Es ist wichtig, die vier verschiedenen Klassifizierungssysteme nicht zu verwechseln:

  • Geräteklasse L/M/H nach DIN EN IEC 60335-2-69: gilt für Entstauber und trockene Staubabsaugung, abgeleitet vom AGW
  • Abscheideklassen W1/W2/W3 nach DIN EN ISO 21904-2: gelten ausschließlich für Schweißrauchabscheider, nicht für Staub aus Zerspanung oder Bearbeitung
  • Raumluftfilterklassen nach DIN EN ISO 16890: gelten für allgemeine Raumlufttechnik
  • Schwebstofffilterklassen H13/H14 nach DIN EN 1822: gelten für HEPA-Endstufen

Für Holzstaub gelten TRGS 553 und die DGUV Information 209-044, nicht die Schweißrauch-Norm DIN EN ISO 21904. Für krebserzeugende Stäube ohne Schweißbezug gibt es keinen AGW, sondern das Risikokonzept der TRGS 910 mit Akzeptanz- und Toleranzkonzentration. Für Geräte der Staubklasse H nach DIN EN IEC 60335-2-69 gilt ein maximaler Durchlassgrad von 0,005 %. In der Praxis wird das über Schwebstoffstufen der Klasse H13/H14 nach DIN EN 1822 erreicht, wobei die Staubklasse selbst keine Filtermedienklasse vorschreibt.

Die folgende Übersicht zeigt typische Staubarten mit dem jeweils einschlägigen Regelwerk und der empfohlenen Filterstufe:

  • Holzstaub (Eiche, Buche): TRGS 553, DGUV Information 209-044, Geräteklasse H
  • Quarzstaub (Siliziumdioxid): TRGS 900 (A-Fraktion 1,25 mg/m³), Geräteklasse M oder H je nach AGW
  • Zementstaub: TRGS 900, Geräteklasse M
  • Kunststoffschleifstaub (krebserzeugend): GefStoffV, TRGS 504, TRGS 910, Geräteklasse H
  • Getreidemehlstaub: TRGS 900, Geräteklasse L oder M je nach AGW, ATEX prüfen

Bei Unsicherheit über die Einstufung eines Staubs empfiehlt sich die Prüfung des jeweiligen Sicherheitsdatenblatts sowie die Beratung durch den zuständigen Betriebsarzt oder die Berufsgenossenschaft.

Wie ULMATEC bei der Staubabscheidung unterstützt

Ob organischer Holzstaub, abrasiver Quarzstaub oder klebrige Stäube aus der Kunststoffbearbeitung: Die richtige Absauganlage hängt von Werkstoff, Prozess und Gefährdungsklasse ab. ULMATEC analysiert den jeweiligen Werkstoff, Prozess und Volumenstrom und entwickelt, fertigt und montiert die passende Absauganlage dazu.

  • Auslegung nach Geräteklasse L, M oder H gemäß DIN EN IEC 60335-2-69 auf Basis der Gefährdungsbeurteilung
  • CF-Serie (Entstauber) für trockene Stäube, WE-Serie (Nassabscheider) für klebrige, reaktive oder hygroskopische Stäube
  • Mehrstufige Filtersysteme aus über 100 Filterkombinationen für gemischte Staubarten und kombinierte Gefährdungen
  • Zentrale Absauganlagen für Luftvolumen von 3.000 bis 250.000 m³/h, skalierbar von Größe S bis XXL
  • Vollständige technische Dokumentation, Förderfähigkeit über BAFA und KfW, Einhaltung aller geltenden Normen

Wissen Sie noch nicht, welche Geräteklasse für Ihren Staub erforderlich ist? Nehmen Sie Kontakt auf und lassen Sie sich von unseren Spezialisten beraten.

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