Bei der Big-Bag-Entleerung entsteht Staub vor allem an zwei Stellen: beim Öffnen des Auslaufstutzens und beim Einrieseln des Schüttguts in den nachgelagerten Behälter oder die Förderanlage. Dieser Staub ist oft fein genug, um in die Atemluft einzudringen und gesundheitliche Schäden zu verursachen. Die folgenden Abschnitte erklären, wo genau die Staubentwicklung entsteht, welche Risiken sie birgt und welche technischen Maßnahmen zur Stauberfassung und Filtration geeignet sind.
Wo entsteht bei der Big-Bag-Entleerung der meiste Staub?
Der meiste Staub entsteht beim Anschließen und Öffnen des Big-Bag-Auslaufstutzens sowie beim freien Fall des Schüttguts in den Aufnahmetrichter. Beim Ablassen des Materials verdrängt das einströmende Gut die im Behälter enthaltene Luft nach außen. Diese Verdrängungsluft reißt feine Partikel mit und trägt sie in die Umgebungsluft.
Drei Zonen sind besonders kritisch:
- Anschlussstelle des Auslaufstutzens: Beim Befestigen und Öffnen des Stutzens entweicht komprimierte staubhaltige Luft aus dem Bag. Selbst kurze Öffnungsmomente reichen aus, um messbare Staubkonzentrationen zu erzeugen.
- Freier Fall in den Trichter: Das aufprallende Material erzeugt Luftverwirbelungen. Je größer die Fallhöhe und je feiner das Material, desto höher ist die freigesetzte Staubmenge.
- Entleerungsende: Wenn der Bag nahezu leer ist, wird er oft manuell ausgeschüttelt oder zusammengedrückt. Dabei wird verbliebener Reststaub schlagartig freigesetzt.
Typische Schüttgüter wie Mehl, Pigmente, Chemikalien, Kunststoffpulver oder pharmazeutische Wirkstoffe können je nach Partikelgröße und Materialdichte sehr unterschiedliche Staubmengen freisetzen. Feine Pulver mit einer Partikelgröße unter 100 Mikrometern bleiben besonders lang in der Schwebe und gelangen tief in die Atemwege.
Welche Gesundheitsrisiken gehen von Schüttgutstaub aus?
Schüttgutstaub gefährdet die Gesundheit vor allem durch die alveolengängige Feinfraktion, also Partikel, die tief in die Lunge eindringen. Nach TRGS 900 gilt für alveolengängigen Staub (A-Staub) ein Arbeitsplatzgrenzwert (AGW) von 1,25 mg/m³. Für einatembaren Staub (E-Staub) liegt der AGW bei 10 mg/m³.
Die konkreten Gesundheitsrisiken hängen vom Stoff ab:
- Inerte Stäube: Auch Stäube ohne spezifische Toxizität können bei dauerhafter Exposition Lungenerkrankungen verursachen, wenn die allgemeinen Staubgrenzwerte überschritten werden.
- Sensibilisierende Stäube: Bestimmte Mehl-, Holz- oder Chemikalienpartikel lösen Allergien und Berufsasthma aus.
- Krebserzeugende Stäube: Für diese Stoffe gibt es keinen AGW, sondern das Risikokonzept der TRGS 910 mit Akzeptanz- und Toleranzkonzentrationen. Hier greift das Minimierungsgebot.
- Explosionsfähige Stäube: Viele organische und metallische Pulver sind staubexplosionsfähig. Ein Staub gilt als explosionsfähig, wenn der Druckaufbau bei einer Zündung mehr als 0,5 bar über dem Ausgangsdruck liegt. Die Einstufung erfolgt über den KSt-Wert nach GESTIS-STAUB-EX: St 1 (bis 200 bar·m/s), St 2 (bis 300 bar·m/s) und St 3 (über 300 bar·m/s).
Für die Zoneneinteilung nach GefStoffV Anhang I Nr. 1.7 gilt: Zone 20 liegt vor, wenn eine explosionsfähige Staubatmosphäre ständig oder über lange Zeiträume vorhanden ist. Zone 21 gilt für gelegentliches Auftreten im Normalbetrieb, Zone 22 für seltenes und kurzzeitiges Auftreten. Wichtig: Staubablagerungen müssen bei der Zoneneinteilung ebenso berücksichtigt werden wie die Staubwolke selbst. Die Zonen 20/21/22 gelten ausschließlich für Staub, die Zonen 0/1/2 für Gase und Dämpfe. Beide Systeme dürfen nicht vermischt werden.
Betriebe, die bei einer BG-Prüfung keine ausreichende Absaugtechnik nachweisen können, riskieren Bußgelder, Auflagen und im Schadensfall die persönliche Haftung verantwortlicher Führungskräfte.
Wie wird Staub an der Big-Bag-Entleerstation erfasst?
Staub an der Big-Bag-Entleerstation wird durch eine direkte Absaugung am Entstehungsort erfasst. Das Grundprinzip lautet: Die Absaugung muss so nah wie möglich an der Staubquelle ansetzen, bevor sich die Partikel in der Raumluft verteilen. Nur so lässt sich eine wirksame industrielle Entstaubung mit vertretbarem Volumenstrom erreichen.
Bewährte Erfassungsprinzipien an Entleerstationen:
- Andockhaube mit integrierter Absaugung: Der Auslaufstutzen des Big-Bags wird in eine geschlossene Andockstation eingeführt. Die Absaugung wirkt direkt am Anschlusspunkt und verhindert das Austreten von Staub beim Öffnen.
- Einhausung des Aufnahmetrichters: Der Trichter wird weitgehend geschlossen ausgeführt. Eine Absaugöffnung im oberen Bereich erfasst die durch den Materialfall verdrängte Luft.
- Schlauchanschlusssysteme mit Klemmverbindung: Beim Anschließen des Beutels bleibt der Stutzen bis zur vollständigen Abdichtung verschlossen. Die Absaugung startet vor dem Öffnen.
Entscheidend für die Auslegung ist der erforderliche Volumenstrom. Dieser hängt von der Trichtergröße, der Fallhöhe, der Materialdichte und der Partikelgröße ab. Eine Gefährdungsbeurteilung nach GefStoffV bildet die Grundlage für die Auswahl der geeigneten Absauganlage und Filtertechnik.
Welche Filtertechnik eignet sich für Big-Bag-Stäube?
Für trockene, nicht klebrige Schüttgutstäube sind Entstauber der Baureihe CF (Cartridge Filter) die Standardlösung. Die erforderliche Staubklasse nach DIN EN IEC 60335-2-69 richtet sich nach dem AGW des Staubes: Staubklasse L für Stäube mit AGW über 1 mg/m³, Staubklasse M für AGW ab 0,1 mg/m³ und Staubklasse H für AGW unter 0,1 mg/m³ sowie für krebserzeugende Stäube.
Die Auswahl der richtigen Filtertechnik hängt von den Eigenschaften des Schüttguts ab:
Trockene, rieselfähige Stäube
Für diese Materialien eignen sich Entstauber mit Filterpatronen und automatischer Abreinigung. Die Patronen halten Staub zurück, während ein Druckstoß sie in regelmäßigen Abständen reinigt. Das abgereinigte Material fällt in einen Auffangbehälter zurück. Wichtig: Staubklasse H ist nicht gleichzusetzen mit HEPA H13/H14. Staubklasse H ist eine Geräteeinstufung nach DIN EN IEC 60335-2-69 mit einem maximalen Durchlassgrad von 0,005 %. In der Praxis wird das oft über Schwebstoffstufen der Klasse H13 oder H14 nach DIN EN 1822 erreicht, die Staubklasse selbst schreibt aber keine Filtermedienklasse vor.
Hygroskopische, klebrige oder reaktive Stäube
Bei Stäuben, die Feuchtigkeit aufnehmen, zum Verkleben neigen oder elektrostatisch aufladbar sind, sind Nassabscheider die geeignete Option. Sie binden Partikel in einem Wasserfilm und eignen sich auch für reaktive Stäube, bei denen Trockenfilter ein Brandrisiko darstellen würden. Für explosive Stäube muss die gesamte Absauganlage ATEX-konform ausgeführt sein, und die Zoneneinteilung bestimmt die Schutzklasse der eingesetzten Komponenten.
Die Gefährdungsbeurteilung legt fest, welche Staubklasse und welcher Filtertyp für den jeweiligen Stoff erforderlich sind. Erst danach erfolgt die Auswahl der Absauganlage.
Wann ist eine zentrale Absauganlage sinnvoll?
Eine zentrale Absauganlage ist sinnvoll, wenn mehrere Entleerstationen oder Arbeitspunkte im selben Betrieb gleichzeitig oder wechselweise Staub erzeugen. Statt für jeden Punkt eine separate Einheit zu installieren, erfasst eine zentrale Anlage alle Quellen über ein gemeinsames Rohrleitungssystem und reinigt die Luft an einer zentralen Filterstation.
Der entscheidende Auslegungsparameter ist dabei der Gleichzeitigkeitsfaktor (GZF). Nicht alle Entleerstationen laufen gleichzeitig. Wenn von zehn Andockpunkten im Normalbetrieb sechs aktiv sind, muss die Anlage nicht für zehn, sondern für sechs Punkte ausgelegt werden. Der Gleichzeitigkeitsfaktor kann die Anlagengröße dabei um bis zu 40 % reduzieren, ohne die Schutzwirkung zu beeinträchtigen. Das senkt Investitions- und Betriebskosten spürbar und erhöht die Investitionssicherheit.
Zentrale Absauganlagen eignen sich besonders, wenn:
- mehr als zwei bis drei Entleerstationen im selben Bereich betrieben werden,
- die Stationen wechselweise und nicht dauerhaft gleichzeitig laufen,
- eine einheitliche Filtration und Überwachung für alle Quellen gewünscht ist,
- Wärmerückgewinnung oder Hallenlüftung mit der Entstaubung kombiniert werden soll.
Für kleinere oder mobile Anwendungen, bei denen nur eine einzelne Entleerstation betrieben wird, ist eine dezentrale Lösung oft wirtschaftlicher. Hier bieten sich mobile Absauganlagen an, die flexibel einsetzbar sind und keinen festen Rohranschluss erfordern.
Bei der Planung einer zentralen Anlage ist die Rohrleitungsführung entscheidend. Zu hohe Strömungsgeschwindigkeiten können Rohre abrasiv belasten, zu niedrige Geschwindigkeiten führen zur Ablagerung von Schüttgutpartikeln in der Leitung. Beides muss bei der Auslegung berücksichtigt werden.
So unterstützt ULMATEC bei der Stauberfassung an Big-Bag-Entleerstationen
ULMATEC analysiert für jede Entleerstation den Werkstoff, den Prozess und den erforderlichen Volumenstrom, bevor eine Absauganlage ausgewählt wird. Die Grundlage bildet immer die Gefährdungsbeurteilung nach GefStoffV. Darauf aufbauend entwickeln, fertigen und montieren wir die passende Absauganlage, hergestellt in Deutschland.
Konkret bedeutet das für Big-Bag-Anwendungen:
- Auswahl der richtigen Staubklasse (L, M oder H nach DIN EN IEC 60335-2-69) auf Basis des AGW des jeweiligen Schüttguts
- Auslegung des Volumenstroms unter Berücksichtigung des Gleichzeitigkeitsfaktors, der die Anlagengröße um bis zu 40 % reduzieren kann
- ATEX-konforme Ausführung bei explosionsfähigen Stäuben (Zonen 20, 21 oder 22)
- Wahl zwischen Entstauber der CF-Serie (Größen XS bis XXL), Nassabscheider der WE-Serie (Größen S bis X) oder kombinierten Systemen je nach Staubeigenschaft
- Lieferung inklusive vollständiger technischer Dokumentation für Behörden und Berufsgenossenschaft
- Förderfähigkeit über BAFA und KfW prüfen wir gemeinsam mit Ihnen
Wenn Sie eine Entleerstation planen oder eine bestehende Anlage auf den aktuellen Stand der Technik bringen möchten, kontaktieren Sie uns direkt. Wir besprechen Ihren Anwendungsfall und legen die passende Absauganlage gemeinsam mit Ihnen aus.
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