Eine Brennerabsaugung ist eine Absaugvorrichtung, die direkt am Schweißbrenner montiert wird und Schweißrauch unmittelbar an seiner Entstehungsstelle erfasst. Sie gehört zur Kategorie der Punktabsaugung und gilt als effektivste Methode, um die Schweißrauchbelastung am Arbeitsplatz zu reduzieren. Die folgenden Abschnitte beantworten die wichtigsten Fragen rund um Funktion, Einsatz und Vorschriften.
Welche Schadstoffe entstehen beim Brennen und Schneiden?
Beim Schweißen, Brennschneiden und Plasmaschneiden entstehen komplexe Gemische aus Partikeln und Gasen. Die genaue Zusammensetzung hängt vom Grundwerkstoff, der Beschichtung und dem eingesetzten Verfahren ab. Gemeinsam ist allen Prozessen: Die freigesetzten Schadstoffe sind lungengängig und gesundheitsschädlich.
Typische Schadstoffe beim Schweißen und thermischen Schneiden umfassen:
- Metalloxide und Feinstaub aus dem Grundwerkstoff, etwa Eisen-, Mangan- oder Zinkoxide
- Chrom(VI)-Verbindungen beim Schweißen hochlegierter Chrom-Nickel-Stähle und von Edelstahl, die als krebserzeugend eingestuft sind
- Nickelverbindungen, ebenfalls krebserzeugend bei Tätigkeiten mit legierten Stählen
- Ozon und Stickoxide, insbesondere beim WIG-Schweißen und Plasmaschneiden
- Kohlenmonoxid bei unvollständiger Verbrennung
- Zinkrauch beim Schweißen verzinkter Stähle, der zu Metalldampffieber führen kann
Beim Plasmaschneiden sind die Temperaturen besonders hoch, was die Schadstoffkonzentration und die Partikelfeinteiligkeit erhöht. Für Betriebe, die krebserzeugende Stoffe wie Chrom(VI) freisetzen, gilt nach TRGS 528 das Minimierungsgebot: Die Exposition muss so weit wie technisch möglich reduziert werden, unabhängig davon, ob der Arbeitsplatzgrenzwert eingehalten wird.
Wie funktioniert eine Brennerabsaugung technisch?
Eine Brennerabsaugung arbeitet nach dem Prinzip der Quellabsaugung: Eine in den Schweißbrenner integrierte oder daran angebrachte Absaugdüse erfasst den Schweißrauch direkt an der Entstehungsstelle, bevor er sich in der Hallenluft verteilen kann. Der abgesaugte Rauch wird über einen Schlauch zu einer Filtereinheit geleitet und dort gereinigt.
Hochvakuum versus Niedrigvakuum
Technisch unterscheidet man zwei Grundprinzipien bei der Brennerabsaugung:
- Hochvakuum-Systeme arbeiten mit hohem Unterdruck und geringem Luftvolumenstrom. Sie sind kompakt und eignen sich besonders für beengte Arbeitsbereiche. Der Nachteil: Der Absaugkopf muss sehr nah an der Schweißstelle positioniert sein.
- Niedrigvakuum-Systeme nutzen einen höheren Volumenstrom bei geringerem Unterdruck. Sie erfassen auch Rauch, der sich etwas weiter von der Brennerspitze entfernt bildet, und sind weniger empfindlich gegenüber der genauen Positionierung.
Filtration des Schweißrauchs
Der abgesaugte Schweißrauch gelangt in eine Filtereinheit, die je nach Schadstoff unterschiedlich ausgelegt sein muss. Für Schweißrauch gelten die Filterklassen W1, W2 und W3 nach DIN EN ISO 21904. Beim Schweißen hochlegierter Chrom-Nickel-Stähle ist nach TRGS 528 die Abscheideklasse W3 erforderlich. Diese Filterklassen gelten ausschließlich für Schweißrauch und dürfen nicht auf andere Stäube oder Prozesse angewendet werden. Die Filtereinheit kann stationär oder mobil ausgeführt sein und wird über die Absauganlage mit dem Brenner verbunden.
Wann ist eine Brennerabsaugung der richtige Ansatz?
Eine Brennerabsaugung ist dann der richtige Ansatz, wenn der Schweißrauch möglichst nah an seiner Entstehungsstelle erfasst werden soll und andere Erfassungsmethoden wie Absaugarme oder Absaugtische nicht praktikabel sind. Sie ist besonders geeignet, wenn der Schweißer seinen Arbeitsbereich häufig wechselt oder in schwer zugänglichen Bereichen arbeitet.
Konkrete Einsatzszenarien, in denen eine Brennerabsaugung Vorteile bietet:
- MIG/MAG-Schweißen mit wechselnden Positionen und Werkstücken
- Schweißarbeiten an großen Bauteilen, bei denen ein Absaugarm nicht ausreichend nachgeführt werden kann
- Tätigkeiten mit krebserzeugenden Stoffen wie Chrom(VI), bei denen das Minimierungsgebot besonders streng greift
- Schweißen in Werkstätten ohne ausreichende Hallenabsaugung oder Raumlüftung
- Automatisierte Schweißanlagen und Schweißroboter, bei denen eine feste Absaugposition direkt am Brenner integriert werden kann
Weniger geeignet ist die Brennerabsaugung beim WIG-Schweißen mit sehr niedrigen Schweißrauchemissionen, da der Absaugkopf das Schutzgas stören kann. Hier sind Absaugarme oder andere Erfassungselemente für Schweißrauch oft die bessere Wahl.
Was sind die Unterschiede zwischen Brennerabsaugung und Hallenabsaugung?
Der wesentliche Unterschied liegt im Erfassungsprinzip: Die Brennerabsaugung erfasst Schweißrauch direkt an der Entstehungsstelle mit hoher Effizienz und geringem Luftvolumenstrom. Die Hallenabsaugung hingegen verdünnt oder entfernt bereits in der Hallenluft verteilten Schweißrauch durch allgemeine Lüftungsmaßnahmen und benötigt dafür erheblich größere Luftvolumenströme.
Die wichtigsten Unterschiede im Überblick:
- Erfassungseffizienz: Die Brennerabsaugung erfasst Schweißrauch, bevor er sich verteilt. Die Hallenabsaugung kann bereits verteilten Rauch nur verdünnen, nicht vollständig beseitigen.
- Energiebedarf: Punktabsaugung direkt am Brenner erfordert deutlich weniger Luftvolumenstrom als eine Hallenabsaugung, die den gesamten Halleninhalt mehrfach austauschen muss.
- Schutzwirkung: Die Brennerabsaugung schützt primär den schweißenden Mitarbeiter. Die Hallenabsaugung verbessert die allgemeine Luftqualität für alle Personen im Raum.
- Investition und Betrieb: Eine mobile Absauganlage mit Brennerabsaugung ist in der Anschaffung oft günstiger als eine zentrale Hallenabsaugung, aber beide Systeme haben unterschiedliche Betriebskosten.
In der Praxis werden beide Ansätze häufig kombiniert: Die Brennerabsaugung übernimmt die Primärerfassung am Arbeitsplatz, während eine ergänzende Hallenlüftung als Sicherheitsnetz für nicht erfasste Restmengen dient. Nach DGUV Regel 109-002 gilt grundsätzlich: Technische Schutzmaßnahmen an der Quelle haben Vorrang vor allgemeinen lüftungstechnischen Maßnahmen.
Welche Normen und Vorschriften gelten für die Brennerabsaugung?
Für die Brennerabsaugung beim Schweißen gelten in Deutschland mehrere Regelwerke gleichzeitig. Das zentrale Dokument ist die TRGS 528, die Technische Regel für Gefahrstoffe für schweißtechnische Arbeiten. Sie legt fest, welche Schutzmaßnahmen bei welchen Werkstoffen und Verfahren erforderlich sind.
Die wichtigsten Regelwerke im Überblick:
- TRGS 528 regelt Schutzmaßnahmen bei schweißtechnischen Arbeiten, darunter die Anforderungen an Absauganlagen und Filterklassen. Sie fordert für krebserzeugende Stoffe wie Chrom(VI) die Abscheideklasse W3.
- DIN EN ISO 21904 definiert die Anforderungen an Schweißrauch-Absauggeräte und die Filterklassen W1, W2 und W3. Diese Norm gilt ausschließlich für schweißtechnische Prozesse.
- TRGS 900 enthält die Arbeitsplatzgrenzwerte (AGW), die für die Gefährdungsbeurteilung herangezogen werden.
- DGUV Information 209-016 gibt praktische Hinweise zu Schadstoffen beim Schweißen und verwandten Verfahren.
- GefStoffV (Gefahrstoffverordnung) bildet die rechtliche Grundlage für den Umgang mit Gefahrstoffen am Arbeitsplatz.
Grundlage jeder Entscheidung über Absaugtechnik ist die Gefährdungsbeurteilung. Sie muss vor Aufnahme der Tätigkeit erstellt werden und legt fest, welche Schutzmaßnahmen erforderlich sind. Betriebe, die bei einer BG-Prüfung keine ausreichende Absaugtechnik nachweisen können, riskieren Bußgelder, Auflagen und im Schadensfall die persönliche Haftung verantwortlicher Führungskräfte.
Alle Absauganlagen werden nach den für den jeweiligen Prozess einschlägigen Regelwerken ausgelegt. Bei schweißtechnischen Prozessen sind das DIN EN ISO 21904 und TRGS 528. Hinweis zur Maschinenrichtlinie: Die Maschinenrichtlinie 2006/42/EG wird zum 20. Januar 2027 durch die Maschinenverordnung (EU) 2023/1230 abgelöst. Betreiber sollten prüfen, welche Anforderungen sich daraus für ihre bestehenden Absauganlagen ergeben.
Kann eine Brennerabsaugung gefördert werden?
Absauganlagen für Schweißrauch können grundsätzlich förderfähig sein, etwa über Programme von BAFA oder KfW. Ob eine konkrete Anlage tatsächlich gefördert wird, hängt von den jeweils geltenden Voraussetzungen und einer individuellen Prüfung ab. Eine pauschale Zusage ist nicht möglich.
Relevante Aspekte bei der Förderfähigkeit:
- BAFA-Bundesförderung für Energie in der Wirtschaft (BEW): Energieeffiziente Absauganlagen, die Wärmerückgewinnung integrieren, können unter bestimmten Voraussetzungen förderfähig sein.
- KfW-Programme: Investitionen in Arbeitsschutz und Energieeffizienz können über verschiedene KfW-Kreditprogramme unterstützt werden.
- Berufsgenossenschaftliche Förderung: Einige Berufsgenossenschaften unterstützen Investitionen in Präventionsmaßnahmen finanziell oder beratend.
Für die Antragstellung ist eine vollständige technische Dokumentation der Absauganlage erforderlich. Diese umfasst Auslegungsberechnungen, Nachweise zur Normkonformität und gegebenenfalls Messprotokolle. Eine frühzeitige Beratung durch einen Fachbetrieb und die zuständige Fördereinrichtung erhöht die Chancen auf eine erfolgreiche Förderung. Wer mehrere Schweißarbeitsplätze plant, sollte dabei auch den Gleichzeitigkeitsfaktor (GZF) berücksichtigen: Er beschreibt das Verhältnis der gleichzeitig aktiven Absaugstellen zur Gesamtzahl und kann die erforderliche Anlagengröße um bis zu 40 % reduzieren, was direkt die förderfähige Investitionssumme beeinflusst.
So unterstützt ULMATEC bei der Brennerabsaugung
Wer eine Absauganlage für Schweißrauch plant, steht vor konkreten technischen und normativen Fragen: Welche Filterklasse ist für den jeweiligen Werkstoff erforderlich? Reicht eine mobile Lösung oder ist eine stationäre Anlage sinnvoller? Wie wirkt sich der Gleichzeitigkeitsfaktor auf die Dimensionierung aus?
Wir analysieren bei ULMATEC den jeweiligen Werkstoff, Prozess und Volumenstrom und entwickeln, fertigen und montieren die passende Absauganlage dazu. Das umfasst konkret:
- Auslegung der Absauganlage auf Basis der Gefährdungsbeurteilung und der einschlägigen Regelwerke (TRGS 528, DIN EN ISO 21904)
- Auswahl der richtigen Filterklasse, bei krebserzeugenden Stoffen wie Chrom(VI) mindestens W3 nach DIN EN ISO 21904
- Angebot mobiler und stationärer Absauganlagen sowie zentraler Systeme für mehrere Schweißarbeitsplätze
- Berechnung des Gleichzeitigkeitsfaktors für eine wirtschaftliche Dimensionierung
- Vollständige technische Dokumentation für Behörden, BG-Prüfungen und Förderanträge
- Auslegung, Fertigung, Montage und Inbetriebnahme aus einer Hand, hergestellt in Deutschland
Unsere Absauganlagen sind meist förderfähig über BAFA und KfW, abhängig von den jeweils geltenden Voraussetzungen. Für eine individuelle Beratung zu Ihrer Brennerabsaugung nehmen Sie gerne Kontakt mit uns auf. Wir klären gemeinsam, welche Lösung für Ihren Prozess und Ihre Anlage die richtige ist.
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