Wie beeinflusst die Produktionsplanung die Schadstoffspitzen in der Werkstattluft?

Daniel Ehrhardt ·
Fabrikarbeiter in Schutzausrüstung justiert Industrieabsauganlage, Schweißrauch steigt in einer Werkshalle auf.

Die Produktionsplanung beeinflusst die Schadstoffkonzentration in der Werkstattluft direkt und erheblich. Wenn mehrere Prozesse gleichzeitig laufen, entstehen kurzzeitige Schadstoffspitzen, die Grenzwerte nach TRGS 900 überschreiten können, obwohl der Tagesdurchschnitt unauffällig bleibt. Wer Schichtplanung, Maschinenbelegung und Absaugtechnik aufeinander abstimmt, schützt seine Mitarbeitenden effektiv und vermeidet Verstöße gegen den Arbeitsschutz. Die folgenden Fragen klären, wo Spitzen entstehen, welche Stoffe besonders kritisch sind und wie Planung und Technik zusammenwirken.

Wann entstehen Schadstoffspitzen in der Werkstattluft?

Schadstoffspitzen in der Werkstattluft entstehen immer dann, wenn mehrere emissionsintensive Prozesse gleichzeitig oder in kurzer Abfolge betrieben werden. Typische Auslöser sind Schichtwechsel mit Hochlaufphasen, Auftragsspitzen am Monatsende oder parallele Schweiß- und Schleifarbeiten in derselben Halle. In diesen Momenten steigt die Schadstoffkonzentration innerhalb weniger Minuten stark an.

Besonders kritisch ist die Kombination aus hohem Schadstoffvolumen in der Luft und unzureichender Luftwechselrate. Die TRGS 900 legt arbeitsplatzbezogene Grenzwerte (AGW) fest, die als Acht-Stunden-Mittelwert gelten. Kurzfristige Spitzen können diesen Mittelwert jedoch weit überschreiten, ohne dass dies im Tagesdurchschnitt sichtbar wird. Für bestimmte Stoffe wie Schweißrauch gilt nach TRGS 528 ein AGW von 1 mg/m³, der bei Spitzenbelastungen schnell erreicht ist.

Hinzu kommt die räumliche Verteilung: In großen Hallen mit mehreren Arbeitsstationen sammeln sich Schadstoffe bevorzugt in Bereichen mit geringer Luftbewegung. Ohne gezielte Erfassung an der Quelle verteilen sich Partikel und Gase in der gesamten Hallenluft.

Wie erzeugt die Produktionsplanung Schadstoffspitzen?

Die Produktionsplanung erzeugt Schadstoffspitzen, wenn emissionsintensive Aufträge zeitlich oder räumlich konzentriert werden, ohne dass die Absaugtechnik entsprechend ausgelegt oder gesteuert ist. Typische Planungsentscheidungen wie Losgröße, Maschinenbelegung und Schichtmodell haben direkten Einfluss auf die Schadstoffbelastung in der Werkstatt.

Konkrete Planungsfehler, die Spitzen verursachen:

  • Parallelschweißen: Mehrere Schweißarbeitsplätze laufen gleichzeitig, ohne dass die Absauganlage für diesen Volumenstrom dimensioniert ist.
  • Rüstzeiten ohne Absaugung: Zwischen Aufträgen laufen Maschinen weiter, die Absaugung wird manuell abgeschaltet, um Energie zu sparen.
  • Auftragskonzentration am Schichtende: Eilaufträge mit hoher Emissionsintensität werden am Ende einer Schicht gebündelt abgearbeitet.
  • Fehlende Zonentrennung: Prozesse mit unterschiedlichen Schadstoffen laufen in derselben Hallenzone ohne räumliche Trennung oder separate Erfassung.

Die Gefährdungsbeurteilung nach § 5 ArbSchG ist die gesetzliche Grundlage, um solche Planungsrisiken zu identifizieren. Betriebe, die bei einer BG-Prüfung keine ausreichende Absaugtechnik nachweisen können, riskieren Bußgelder, Auflagen und im Schadensfall die persönliche Haftung verantwortlicher Führungskräfte.

Welche Schadstoffe sind bei Produktionsspitzen besonders kritisch?

Bei Produktionsspitzen sind vor allem Schweißrauch, Schleifstaub, Ölnebel und bei bestimmten Werkstoffen krebserzeugende Stoffe wie Chrom(VI)-Verbindungen besonders kritisch. Diese Stoffe entstehen prozessbedingt in kurzer Zeit in hoher Konzentration und überschreiten Grenzwerte schneller als bei gleichmäßiger Auslastung.

Im Einzelnen sind folgende Stoffe bei Spitzenlasten relevant:

  • Schweißrauch (allgemein): Der AGW nach TRGS 528 beträgt 1 mg/m³. Bei Parallelschweißen an mehreren Stationen ohne ausreichende Erfassung wird dieser Wert schnell überschritten.
  • Chrom(VI)-Verbindungen: Entstehen beim Schweißen von Edelstahl und hochlegierten Stählen. Für Cr(VI) gilt das Minimierungsgebot nach TRGS 561: Die Exposition ist so weit wie technisch möglich zu reduzieren, unabhängig vom Grenzwert. Absauganlagen müssen mindestens der W3-Klasse nach DIN EN ISO 21904 entsprechen.
  • Feinstaub und ultrafeine Partikel: Entstehen beim Plasmaschneiden bei Temperaturen von 20.000 bis 30.000 °C. Partikel unter 1 µm dringen tief in die Lunge ein und werden vom Körper nicht ausgeschieden.
  • Ölnebel und Aerosole: Bei spanabhebenden Prozessen mit Kühlschmierstoffen. Konzentrationsspitzen entstehen bei hohem Maschinentakt.
  • Reaktive Stäube: Aluminium, Magnesium und Titan bilden explosionsfähige Gemische. Hier gelten zusätzlich die ATEX-Richtlinien.

Für reaktive Stäube wie Aluminium oder Magnesium ist ein Nassabscheider die technisch gebotene Lösung, da Trockenfilter bei diesen Medien ein Brandrisiko darstellen können.

Wie kann die Produktionsplanung Schadstoffspitzen reduzieren?

Die Produktionsplanung kann Schadstoffspitzen reduzieren, indem emissionsintensive Prozesse zeitlich entzerrt, räumlich getrennt und mit der Steuerung der Absaugtechnik synchronisiert werden. Planung und Lüftungstechnik müssen gemeinsam betrachtet werden, nicht getrennt.

Wirksame Maßnahmen in der Planung:

  • Zeitliche Entzerrung: Schweißaufträge über die Schicht verteilen statt bündeln. So bleibt die Schadstoffkonzentration gleichmäßig unterhalb des AGW.
  • Zonenplanung: Prozesse mit unterschiedlichen Schadstoffen räumlich trennen und jeweils eigene Erfassungssysteme zuweisen.
  • Automatische Absaugsteuerung: Absauganlagen mit bedarfsgesteuerter Regelung (z. B. über Frequenzumrichter) reagieren auf tatsächliche Emissionen statt auf feste Zeitpläne.
  • Gefährdungsbeurteilung als Planungsgrundlage: Vor jeder Änderung der Produktionsstruktur sollte geprüft werden, ob die bestehende Absaugtechnik für die neue Last ausgelegt ist.
  • Schnittstelle zur Maschinensteuerung: Absauganlagen können über Signale der Maschinen automatisch hochgefahren werden, wenn ein Prozess startet.

Die industriellen Absauganwendungen zeigen, wie unterschiedliche Prozesse technisch erfasst werden können. Entscheidend ist, dass die Absaugtechnik nicht nach dem Durchschnittsbetrieb, sondern nach dem Spitzenlastfall dimensioniert wird.

Wann reicht eine Hallenlüftung nicht mehr aus?

Eine Hallenlüftung reicht nicht mehr aus, wenn Schadstoffe direkt am Entstehungsort erfasst werden müssen und die allgemeine Verdünnung durch Zuluft nicht ausreicht, um Grenzwerte einzuhalten. Bei krebserzeugenden Stoffen, reaktiven Stäuben oder Emissionen mit hoher Konzentration an der Quelle ist eine Quellenabsaugung gesetzlich erforderlich.

Konkrete Situationen, in denen Hallenlüftung nicht ausreicht:

  • Schweißarbeiten mit Chrom(VI)-haltigen Werkstoffen: Hier fordert die TRGS 561 die Erfassung direkt an der Quelle.
  • Plasmaschneiden oder Laserschneiden mit hoher Partikelkonzentration im Nahfeld.
  • Mehrere gleichzeitig betriebene Emissionsquellen, bei denen die Verdünnung durch Zuluft rechnerisch nicht ausreicht.
  • Produktionsspitzen, bei denen der Luftwechsel der Hallenlüftung zu träge reagiert.

Nach DGUV Regel 109-002 gilt: Technische Schutzmaßnahmen haben Vorrang vor organisatorischen und persönlichen Schutzmaßnahmen (PSA). Eine Hallenlüftung allein erfüllt diese Anforderung bei emissionsintensiven Prozessen in der Regel nicht. Die Quellenabsaugung ist die technisch überlegene und normenkonforme Lösung.

Welche Absaugsysteme eignen sich für schwankende Produktionslasten?

Für schwankende Produktionslasten eignen sich bedarfsgesteuerte Zentralabsauganlagen mit Frequenzumrichter oder modulare Einzelplatzsysteme, die flexibel zugeschaltet werden können. Entscheidend ist, dass das System sowohl bei Grundlast als auch bei Spitzenlast innerhalb der zulässigen Grenzwerte arbeitet.

Geeignete Systemtypen im Überblick:

  • Zentrale Absauganlagen mit variabler Drehzahl: Passen den Volumenstrom automatisch an die aktuelle Last an. Geeignet für Hallen mit mehreren Arbeitsplätzen und wechselnder Auslastung. Absaugprodukte dieser Kategorie decken Luftvolumina von 3.000 bis 250.000 m³/h ab.
  • Modulare Einzelplatzabsaugung: Jeder Arbeitsplatz verfügt über eine eigene Erfassungseinheit. Vorteil: Unabhängig von anderen Stationen, einfach erweiterbar.
  • Nassabscheider: Pflicht bei reaktiven Stäuben wie Aluminium, Magnesium oder Titan. Auch bei Spitzenlasten sicher einsetzbar, da kein Brandrisiko durch Staubakkumulation besteht.
  • Filtersysteme nach W3-Klasse (DIN EN ISO 21904): Pflicht bei krebserzeugenden Stoffen im Schweißrauch. Auch bei Spitzenkonzentrationen muss die Abscheideeffizienz gewährleistet sein.

Die Dimensionierung erfolgt immer auf Basis des Spitzenlastfalls, nicht des Mittelwerts. Wer die Anlage nach Durchschnittsbetrieb auslegt, riskiert Grenzwertüberschreitungen genau dann, wenn die Produktion auf Hochtouren läuft.

Wie ULMATEC bei schwankenden Produktionslasten und Schadstoffspitzen hilft

Betriebe, die ihre Produktionsplanung ändern oder ausweiten, stehen häufig vor der Frage, ob ihre bestehende Absaugtechnik noch ausreicht. Wir analysieren den jeweiligen Prozess, den Werkstoff und den erforderlichen Volumenstrom und entwickeln, fertigen und montieren die passende Absauganlage dazu. Auslegung, Fertigung, Montage und Inbetriebnahme erfolgen aus einer Hand, hergestellt in Deutschland.

Was wir konkret leisten:

  • Auslegung der Absauganlage nach dem Spitzenlastfall, nicht nach dem Durchschnittsbetrieb
  • Bedarfsgesteuerte Zentralanlagen mit Frequenzumrichter für Luftvolumina von 3.000 bis 250.000 m³/h
  • Filtersysteme nach W3-Klasse (DIN EN ISO 21904) für krebserzeugende Stoffe im Schweißrauch wie Cr(VI)
  • Nassabscheider für reaktive Stäube (Aluminium, Magnesium, Titan) nach ATEX-Anforderungen
  • Auswahl aus über 100 Filterkombinationen für mehr als 10 Millionen Anlagenvarianten
  • Unterstützung bei der Förderbeantragung über BAFA und KfW
  • Vollständige technische Dokumentation für BG-Prüfungen und Gefährdungsbeurteilungen

Wenn Sie wissen möchten, ob Ihre aktuelle Absaugtechnik für Ihre Produktionsspitzen ausgelegt ist, sprechen Sie uns an. Einen umfassenden Überblick über unser gesamtes Leistungsspektrum bieten unsere ULMATEC Absauganlagen. Kontaktieren Sie uns für eine technische Erstbewertung Ihrer Anlage.

Related Articles

[esi um_geo_shortcode ttl="0" position="footer" get=""]
Scroll to Top

Kontakt

Rückrufbitte ULMATEC

Sie wünschen einen Rückruf?
Bitte hinterlassen Sie uns Ihre Kontaktdaten.

This field is for validation purposes and should be left unchanged.
Ihr Vor- und Nachname(Required)

Ich habe die Datenschutzerklärung zur Kenntnis genommen. Ich stimme zu, dass meine Angaben und Daten zur Beantwortung meiner Anfrage elektronisch erhoben und gespeichert werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit für die Zukunft widerrufen.

Kontakt

Rückrufbitte ULMATEC

Sie wünschen einen Rückruf?
Bitte hinterlassen Sie uns Ihre Kontaktdaten.

This field is for validation purposes and should be left unchanged.
Ihr Vor- und Nachname(Required)

Ich habe die Datenschutzerklärung zur Kenntnis genommen. Ich stimme zu, dass meine Angaben und Daten zur Beantwortung meiner Anfrage elektronisch erhoben und gespeichert werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit für die Zukunft widerrufen.

Rückrufbitte ULMATEC

Sie wünschen einen Rückruf?
Bitte hinterlassen Sie uns Ihre Kontaktdaten.

This field is for validation purposes and should be left unchanged.
Ihr Vor- und Nachname(Required)

Ich habe die Datenschutzerklärung zur Kenntnis genommen. Ich stimme zu, dass meine Angaben und Daten zur Beantwortung meiner Anfrage elektronisch erhoben und gespeichert werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit für die Zukunft widerrufen.