Was ist Feinanteil in Kunststoffgranulat und warum ist er ein Absaugthema? > ULMATEC Filtration

Was ist Feinanteil in Kunststoffgranulat und warum ist er ein Absaugthema?

Daniel Ehrhardt ·

Feinanteil in Kunststoffgranulat bezeichnet die feinen Partikel und Staubfraktionen, die beim Transport, der Lagerung und der Verarbeitung von Granulat entstehen. Diese Partikel sind kleiner als das eigentliche Granulatkorn und können Korndurchmesser im Bereich von wenigen Mikrometern bis zu einigen hundert Mikrometern aufweisen. Wo Feinanteil auftritt, entstehen gleichzeitig Probleme für Prozessstabilität, Produktqualität und Arbeitsschutz. Die folgenden Abschnitte beantworten die wichtigsten Fragen rund um Entstehung, Gefährdung und Absaugung von Granulat-Feinstaub.

Wie entsteht Feinanteil beim Kunststoffgranulat?

Feinanteil entsteht überall dort, wo Kunststoffgranulat mechanisch beansprucht wird. Beim pneumatischen Transport reiben Granulatkörner aneinander und an den Rohrwänden. Beim Umfüllen, Sieben und Dosieren brechen Körner auf. Schon kurze Förderstrecken erzeugen messbare Mengen an feinem Kunststoffstaub, der sich in Anlagen, Silos und an Arbeitsplätzen absetzt.

Die wichtigsten Entstehungsquellen im Überblick:

  • Pneumatische Förderung: Druckluftförderung erzeugt durch Aufprall und Reibung kontinuierlich Abrieb an der Granulatoberfläche.
  • Mechanische Förderung: Schnecken, Vibrationsförderer und Elevatoren beanspruchen das Granulat durch Scherkräfte.
  • Umfüll- und Dosiervorgänge: Jeder freie Fall und jeder Aufprall auf harte Oberflächen erzeugt Bruchstücke und Staub.
  • Lagerung in Silos: Auch in ruhenden Schüttgütern entsteht durch das Eigengewicht des Materials Abrieb an den Kontaktflächen.
  • Regranulierung und Mahlprozesse: Beim Zerkleinern von Kunststoffrezyklaten oder Angüssen ist der Feinstaubanteil besonders hoch.

Die Menge des entstehenden Feinstaubs hängt von der Granulatgeometrie, dem Werkstoff und der Fördergeschwindigkeit ab. Spröde Materialien wie bestimmte technische Thermoplaste oder gefüllte Compounds neigen stärker zur Staubbildung als weiche Polyolefine. Regranulate sind in der Regel stärker belastet als Neuware.

Welche Probleme verursacht Feinanteil in der Kunststoffverarbeitung?

Feinanteil in Kunststoffgranulat verursacht drei Kategorien von Problemen: Prozessstörungen, Qualitätsmängel am Endprodukt und Gefährdungen für Mensch und Anlage. Alle drei treten häufig gleichzeitig auf und verstärken sich gegenseitig.

Prozessstörungen und Qualitätsmängel

Feiner Kunststoffstaub verändert das Schüttverhalten des Granulats. Dosiereinheiten und Einzugszonen an Spritzguss- und Extrusionsmaschinen erhalten ein inhomogenes Materialgemisch. Die Folgen sind schwankende Schmelzequalität, Lunker, Schlieren und Verfärbungen im Fertigteil. In der Extrusion führt Feinanteil zu Druckschwankungen und ungleichmäßiger Wandstärke.

Anlagenverschleiß und Verstopfungen

Feinstaub setzt sich in Filtern, Trocknern und Materialweichen ab. Verstopfte Trocknungsfilter reduzieren die Trocknungsleistung, was bei hygroskopischen Materialien wie Polyamid oder PET zu einem erhöhten Restfeuchtegehalt führt. Abgesetzte Staubschichten in Silos und Rohrleitungen begünstigen zudem Brückenbildung und Materialstaus.

Warum ist Feinanteil ein Arbeitsschutz- und Luftreinhaltungsthema?

Kunststoffstaub aus Granulat ist ein luftgetragener Schadstoff, sobald er aufgewirbelt wird. Feine Partikel können in die Atemwege gelangen. Je nach Werkstoff und enthaltenen Additiven gelten unterschiedliche Arbeitsplatzgrenzwerte nach TRGS 900 sowie Anforderungen nach TRGS 504. Betreiber sind verpflichtet, eine Gefährdungsbeurteilung durchzuführen und geeignete Schutzmaßnahmen zu treffen.

Besondere Aufmerksamkeit gilt folgenden Punkten:

  • Alveolengängige Staubfraktion (A-Staub): Partikel unter etwa 10 µm dringen tief in die Lunge ein. Für den allgemeinen A-Staub gilt ein Grenzwert nach TRGS 900; dieser kann durch Additiv- oder Füllstoffanteile im Compound deutlich unterschritten werden.
  • Gefüllte und verstärkte Kunststoffe: Compounds mit Glasfaser, Carbonfaser oder mineralischen Füllstoffen erzeugen beim Abrieb Stäube mit eigenen Grenzwerten. Für die Bearbeitung von carbonfaserverstärkten Kunststoffen (CFK) ist DGUV FBHM-074 der maßgebliche Anhaltspunkt.
  • Additive und Flammschutzmittel: Manche Additive sind als krebserzeugend oder reproduktionstoxisch eingestuft. Für krebserzeugende Stäube gilt das Minimierungsgebot nach GefStoffV; die einschlägigen Anforderungen folgen aus TRGS 910.
  • Explosionsschutz: Feiner Kunststoffstaub kann explosionsfähige Staub-Luft-Gemische bilden. Staubexplosionsgefährdete Bereiche fallen unter die Zonen 20, 21 und 22 nach ATEX. Anlagen in diesen Bereichen müssen entsprechend ausgelegt sein.

Betriebe, die bei einer BG-Prüfung keine ausreichende Absaugtechnik nachweisen können, riskieren Bußgelder, Auflagen und im Schadensfall die persönliche Haftung verantwortlicher Führungskräfte.

Die Gefährdungsbeurteilung ist die Grundlage jeder Geräte- und Filterauswahl. Ohne eine belastbare Beurteilung des tatsächlich entstehenden Staubs lässt sich weder die erforderliche Staubklasse noch die notwendige Filterstufe sicher bestimmen.

Wie funktioniert die Absaugung von Feinanteil in der Praxis?

Die Absaugung von Granulat-Feinstaub folgt dem Prinzip: Erfassung so nah wie möglich an der Entstehungsquelle, dann Transport im geschlossenen System zur Filtereinheit. Je weiter der Staub bereits in die Raumluft eingetragen wurde, desto aufwendiger und weniger wirksam ist die nachträgliche Erfassung.

Typische Erfassungspunkte in der Kunststoffverarbeitung sind:

  • Übergabestellen in pneumatischen Fördersystemen (Zyklonabscheider-Auslässe, Materialweichen)
  • Einfüllöffnungen an Trocknern, Silos und Mischern
  • Einzugsbereiche an Spritzguss- und Extrusionsmaschinen
  • Sieb- und Dosierstationen
  • Mahleinheiten und Regranulieranlagen

Für die Auslegung der Absauganlage ist der Volumenstrom an jedem Erfassungspunkt entscheidend. Bei mehreren gleichzeitig betriebenen Quellen wird der Gleichzeitigkeitsfaktor (GZF) angewendet. Der GZF berücksichtigt, dass nicht alle Entnahmestellen gleichzeitig aktiv sind. Er kann die erforderliche Anlagengröße um bis zu 40 % reduzieren. Ein Betrieb mit 20 Absaugpunkten muss also nicht für 20, sondern realistisch für etwa 12 gleichzeitig aktive Punkte auslegen. Dieser Faktor sollte jedoch immer anhand der tatsächlichen Produktionsabläufe ermittelt und dokumentiert werden.

Informationen zu industriellen Absauganwendungen helfen dabei, die richtigen Erfassungspunkte für den jeweiligen Prozess zu identifizieren.

Welche Filtersysteme eignen sich für Kunststoffstaub und Feinanteil?

Für trockenen Kunststoffstaub aus Granulat sind Entstauber mit Patronenfiltern (Cartridge-Filter) die am häufigsten eingesetzte Technologie. Die Wahl der Staubklasse richtet sich nach dem Arbeitsplatzgrenzwert (AGW) des jeweiligen Staubs: Staubklasse L für AGW über 1 mg/m³, Staubklasse M ab 0,1 mg/m³ und Staubklasse H unter 0,1 mg/m³ sowie bei krebserzeugenden Stäuben. Für Kunststoffstaub gelten TRGS 900 und TRGS 504 als maßgebliche Regelwerke.

Besondere Situationen erfordern angepasste Filterlösungen:

  • Klebrige oder elektrostatisch aufladbare Stäube: Manche Kunststoffstäube neigen zum Verkleben von Trockenfiltern. Hier sind Nassabscheider die geeignete Option, da sie das Medium in Wasser binden und Filterverstopfungen vermeiden.
  • Hygroskopische Materialien: Bei Stäuben, die Feuchtigkeit aufnehmen und verklumpen, ist ebenfalls die Nassabscheidung zu prüfen.
  • ATEX-relevante Bereiche: In explosionsgefährdeten Zonen müssen Entstauber nach den entsprechenden ATEX-Kategorien ausgeführt sein. Gase und Dämpfe fallen unter die Zonen 0, 1, 2; Stäube unter die Zonen 20, 21, 22. Beide Systeme dürfen nicht vermischt werden.
  • Gemische aus Staub und Dampf: Wenn neben Feinstaub auch Lösemitteldämpfe oder andere Gasphasen-Schadstoffe auftreten, muss zuerst die Partikelabscheidung und danach die Gasphasenbehandlung erfolgen.

Die Auslegung der Filterstufe setzt eine Analyse des tatsächlichen Staubs voraus. Werkstoff, Additiv-Zusammensetzung und Partikelgrößenverteilung bestimmen, welche Filterkombination die einschlägigen Anforderungen nach GefStoffV, TRGS 504 und TRGS 900 erfüllt.

Einen Überblick über verfügbare Filtersysteme und Produktserien gibt die Produktübersicht mit den verschiedenen Entstauber-Baureihen.

Wann lohnt sich eine zentrale Absauganlage für die Kunststoffverarbeitung?

Eine zentrale Absauganlage lohnt sich, wenn mehrere Entstehungsquellen in einem Betrieb gleichzeitig oder zeitversetzt Feinstaub erzeugen. Ab etwa drei bis vier Erfassungspunkten ist eine zentrale Lösung in der Regel wirtschaftlicher als mehrere dezentrale Einzelgeräte, weil Filtereinheit, Wartung und Energieversorgung zusammengefasst werden.

Weitere Argumente für eine zentrale Absauganlage in der Kunststoffverarbeitung:

  • Gleichmäßige Erfassungsleistung: Eine zentral ausgelegte Anlage hält an allen angeschlossenen Punkten den projektierten Unterdruck aufrecht, unabhängig davon, wie viele Punkte gerade aktiv sind.
  • Kombination mit Hallenlüftung: Luftreinhaltung und Hallenlüftung lassen sich in einer zentralen Anlage intelligent kombinieren, was den Energiebedarf für Heizung und Klimatisierung senkt.
  • Wärmerückgewinnung: Die gereinigte Abluft kann im Winter zur Hallenheizung genutzt werden, sofern die Filteranlage entsprechend ausgelegt ist.
  • Skalierbarkeit: Werden neue Maschinen oder Prozesse hinzugefügt, lässt sich eine modular aufgebaute zentrale Anlage erweitern, ohne die gesamte Infrastruktur zu ersetzen.

Dezentrale mobile Absauggeräte bleiben sinnvoll für einzelne, räumlich isolierte Arbeitspunkte oder für temporäre Prozesse. Für Betriebe mit strukturierter Produktion und mehreren festen Entstehungsquellen ist die zentrale Lösung jedoch die wirtschaftlich und sicherheitstechnisch überlegene Wahl.

Einen Einstieg in die Planung bietet die Übersicht zu zentralen Absauganlagen mit Angaben zu Luftmengen und Baugrößen.

So unterstützt ULMATEC bei der Feinanteil-Absaugung in der Kunststoffverarbeitung

Für Betreiber in der Kunststoffverarbeitung, die Granulat-Feinstaub sicher und normkonform erfassen müssen, analysieren wir den jeweiligen Werkstoff, Prozess und Volumenstrom und entwickeln, fertigen und montieren die passende Absauganlage dazu. Alle Anlagen werden nach den für den jeweiligen Prozess einschlägigen Regelwerken ausgelegt, bei Zerspanung und Kunststoffbearbeitung nach TRGS 504, TRGS 900 und GefStoffV.

Konkret bedeutet das für Ihren Betrieb:

  • Individuelle Auslegungsrechnung: Wir ermitteln den Volumenstrom je Erfassungspunkt, berechnen den Gleichzeitigkeitsfaktor (GZF) auf Basis Ihrer tatsächlichen Produktionsabläufe und legen die Anlage damit bedarfsgerecht aus.
  • Staubklassen-Auswahl nach AGW: Auf Grundlage der Gefährdungsbeurteilung wählen wir die erforderliche Staubklasse (L, M oder H) und die passende Filterkombination für Ihren spezifischen Kunststoffstaub.
  • ATEX-konforme Ausführung: Wo explosionsfähige Staub-Luft-Gemische auftreten können, liefern wir ATEX-fähige Anlagen in der erforderlichen Gerätekategorie.
  • Auslegung, Fertigung, Montage und Inbetriebnahme aus einer Hand, hergestellt in Deutschland: Von der ersten Berechnung bis zur Abnahme arbeiten Sie mit einem Ansprechpartner.
  • Angebot in 24 Stunden: Standardkomponenten werden innerhalb von 24 Stunden angeboten, individuelle Projekte so schnell wie möglich.
  • Förderfähigkeit: Unsere Anlagen sind grundsätzlich für Förderprogramme wie BAFA und KfW ausgelegt und werden inklusive technischer Dokumentation geliefert.

Typische Herausforderung: Sie wissen, dass Feinanteil ein Problem ist, aber nicht, welche Staubklasse und welcher Volumenstrom für Ihre Anlage erforderlich sind. Genau hier setzen wir an. Kontaktieren Sie uns für eine unverbindliche Erstberatung, und wir klären gemeinsam, welche Absauganlage für Ihren Prozess die richtige ist.

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